Radikaler Bruch für ethische Innovationen

Kreativität – eine Geschichte der Missverständnisse?! Ich habe nicht den Eindruck, dass im Kontext der Transformation ein neues Verständnis entsteht. Gerade im Management scheint immer noch eine Vorliebe für die harten und präzisen, rationalen und quantifizierbaren Sachverhalte als Basis für Strategien und Entscheidungen vorzuherrschen. Vielleicht liegt es an der Nähe der Kreativität zur Kunst, die für viele Menschen immer noch so schwer zu greifen ist. Dabei lässt die Komplexität mit ihren Verwicklungen und ihrer Unübersichtlichkeit nicht einmal mehr eine „Gefühlte Objektivität“ in dieser globalen Welt zu.

Unser Problem dabei scheint zu sein, dass wir in der Fortschreibung der Gegenwart den Korridor für Entwicklung sehen. Und das wiederum lässt der Kreativität keine Luft zum Atmen. Wenn öffentliche Verwaltungen und Wirtschaftsunternehmen dieses System verlassen wollen, das durch Verbrauch der eigenen Substanz „wächst“, müssen sie lernen, in echten Alternativen ihrer eigenen Existenz zu denken. Das geht nur über eine sehr viel radikalere und konsequentere Form der Kreativität als die, über die in den Schönheitssalons der ManagerInnen-Karrieren nett geplaudert wird. Mag sein, dass ich hier zu kritisch bin, aber es geht nicht um persönliche Karrieren, es geht ums kollektive Überleben. Und hier spielt die Kreativität eine sehr viel nachhaltigere Rolle. Kreativität ist im Hier und Jetzt der Veränderungstreiber in einer global-gesellschaftlichen Komplexität, die nicht nostalgisch die Vergangenheit interpretiert, sondern die Optionen der Zukünfte antizipierend analysiert.

Bei allem Respekt, aber wir brauchen auch keine neue Methoden der Ideenfindung, sondern neuen Mut für Konzepte, deren Kontexte sich vorerst in un-perfekten kapitalistischen Gemeinwohl-Ökonomien bewegen. Hinzu kommt das Verständnis einer Kreativität, die immer produktiv sein will und zum Ziel ethisch vertretbare Innovationen hat. Das ist ein sozialer Vorgang der Gestaltung, der nur in kollaborativen Strukturen gegenseitiger Wertschätzung fruchtbar wird. Die Grundvoraussetzung dafür ist eine professionelle Haltung, die Kreativität als Transformation versteht, systematisch und methodisch funktioniert und dabei nachvollziehbar bleibt.

Wir sollten uns nicht länger von Ratgeber-Literatur und Kalenderspruch-Weisheiten einlullen lassen …

Bildquelle: Foto-CD Goodshot