Kein Marketing! Veränderte Realitäten!

Ja, da ist sie wieder – diese Realität. Sie ist wie deine Waage, schön anzusehen, wenn sie nur so dasteht. Unangenehm, wenn du sie belastest und eigentlich hoffst, abgenommen zu haben. Doch der Zeiger der Waage hat einen kleinen Mittelfinger, der schon wieder um ein Kilogramm mehr nach rechts gerutscht ist. Da veröffentlicht die FAZ eine Umfrage und titelt ihren Bericht mit „Jeder zweite Manager meint Nachhaltigkeit nicht ernst“.  Es drängt sich die Frage auf, was in den letzten Jahren falsch gelaufen ist? Warum ist Nachhaltigkeit bei der Hälfte der befragten ManagerInnen nur ein Thema des Marketings? Haben diese Menschen eine grundsätzlich andere Auffassung von Nachhaltigkeit? Oder ist es Unvermögen, Desinteresse oder einfach nur Faulheit? Oder gar eine Melange aus allem? Wie dem auch sei, diese Entscheidungsträger existieren und sind Teil der Realität einer gesellschaftlichen Transformation. Und offenbar ermöglichen die Rahmenbedingungen des wirtschaftlichen Handelns ein solches „Weiter-so!“. Hier ist die Politik aufgerufen – sofern auch sie Transformation tatsächlich will –, etwas zu tun. Anscheinend gibt es für die „Normative Kraft des Faktischen“ doch noch reichlich Luft nach oben. Doch bleiben wir optimistisch. Immerhin lässt sich umgekehrt konstatieren, dass jeder zweite Manager sich ernsthaft mit Nachhaltigkeit beschäftigt! Diese ManagerInnen wissen offenbar um die komplexe und immens herausfordernde Aufgabe der Migration von Geschäftsmodellen. Um diese zu stemmen, brauchen sie ein Transformationsmanagement, das auf einer evolutionären Ebene nach Innen und nach Außen den gesellschaftlichen Nutzen der unternehmerischen Entwicklungsprozesse signalisiert. Diese politische Dimension des manageriellen Handelns kommuniziert, dass es um die friedliche und ausbalancierte Koexistenz kultureller und unternehmerischer Belange geht. Der Übergang zu einem Legitimationsmanagement auf der normativen Ebene ist fließend. Geht es doch um die sozial verbindende Identität und um die ökologische Dimension des legitimen Ressourceneinsatzes. Womit wir auf der strategischen Ebene des Kreativ- und Planungsmanagements sind. Hier sind der gefühlte, emotional akzeptierte Mehrwert auf Kundenseite und die erkennbare Einzigartigkeit des Unternehmens zu sichern. Beim Umsetzungsmanagement geht es um das kalkulierbare ökonomische Risiko und den tatsächlich eingetretenen praktischen Fortschritt. Nachhaltigkeit braucht veränderte Realitäten – kein Marketing!

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