Wie schön, dass es dich gibt

Du kannst doch gar nicht ohne mich leben! Wirtschaft ohne Kreativität – wie soll das denn gehen? Irgendwie ist es wie die Ehe von zwei charakterstarken Persönlichkeiten, die unterschiedlicher nicht sein können und sich dennoch perfekt ergänzen. Die eine pflegt ihren geregelten Tagesablauf und die andere schläft morgens länger und arbeitet auch schon mal nachts. Und wenn die Zahnpasta-Tube morgens nicht an ihrem angestammten Platz steht, kann es auch schon mal rappeln. Konfliktfrei ist eine solche Beziehung nie, dafür umso erfolgreicher. Was die Wirtschaft in eine gewisse Abhängigkeit von Kreativität gebracht hat, die aber erst jetzt offensiv thematisiert wird. Das hat seinen Grund in der doch sehr unterschiedlichen Aggregation von Wirtschaft und Kreativität – das eine stabil, wuchtig und unübersehbar, das andere dynamisch, fluid und immer unterwegs. Insbesondere das Design als wirtschaftsnahe Dienstleistung und Ausdruck produktiver Kreativität von Wirtschaft ist hier besonders hervorzuheben. Hat sich doch das Design in den letzten Dekaden sehr stark weiterentwickelt und hat heute seine eigene Wertschöpfungskette entwickelt. Gemeint sind die DesignerInnen, die ihre eigenen Ideen bis hin zu erfolgreichen Innovationen mit industriellem oder handwerklichem Background im Markt platzieren – sie sind zu UnternehmerInnen geworden. Ursache vielerorts dafür waren zu große, schwerfällige und manchmal auch zu uninspirierte Industrien. Andere Wirtschaftsunternehmen erkennen allerdings das kreative Potenzial und nutzen dieses für alle ihre Leistungsbereiche – siehe beispielsweise den Siegeszug des Design Thinkings. Hier wirkt das Design querschnittlich und boostert innovative Prozesse und Produkte, Programme und damit die Performance des Unternehmens. Kreativität dynamisiert die Unternehmenskultur und ist unabdingbare Voraussetzung für jede Art von Innovation – schleichend, disruptiv oder sprunghaft. Die Stärke des Designs liegt im Gegensatz zur BWL auch weniger in der Analyse, dafür sehr viel mehr in der Interpretation, mehr in der Antizipation von Zukunft denn in der Betrachtung von Vergangenem, weniger in Kennzahlen, dafür mehr in der konjunktiven Planung. Unternehmen, die verstehen und akzeptieren, dass die Transformation von Wirtschaft unaufhaltsam ist, werden darauf zielen, diese Kreativität zu entfesseln. Ist es doch wie in einer guten Ehe – ab und an muss man den anderen umarmen und ihm sagen, wie schön es ist, dass es ihn gibt!

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