Kreative Studiengänge im Sinkflug?

Gute Zeiten – Schlechte Zeiten! Die MINT-Fächer an den Hochschulen haben offenbar an Beliebtheit gewonnen. Dagegen scheinen die künstlerisch-kreativen Studiengänge an Reiz für StudienbewerberInnen eingebüßt zu haben. Bemerkenswert ist, dass die Generation Z nach Sicherheit strebt und sich gleichzeitig aber auch gesellschaftlich und politisch engagieren will. Eigentlich nicht weiter verwunderlich, wenn man auf die derzeitigen Krisen und Bedrohungen schaut. So heißt es in der SIT-Studie: „Angesichts volatiler gesamtgesellschaftlicher Bedingungen sind klare Berufsprofile und zielführende Studienwege gefragt.“ Auch dies ist keine Überraschung – der Trend wird durch den Ukraine-Kriegs noch deutlich zunehmen. Die Studie arbeitet mit einer Typologie, extrahiert aus einer Analyse der Interessen der Studieninteressierten. Diese zwölf Interessentypen werden in der Studie von den „Ausbilder/innen“ mit 17,0 Prozent als größter Gruppe angeführt. Am Ende stehen die “Pädagog/innen“ als kleinste Gruppe mit 3,2 Prozent. Besonders interessiert uns der Typus „Schöpferische Kreative“, der zusammen mit den „Gemeinwohlorientierten“ im Rubrum „Weltverbesserer“ geführt wird. Mit 9,4 Prozent nehmen die Kreativen Platz 5 ein. Sie stellen also immer noch ein gutes Potenzial dar, allerdings mit deutlichen Einbußen bei beiden Geschlechtern. Bei weiblichen Studieninteressierten lassen sich 12,1 Prozent und bei männlichen 6,0 Prozent diesem Typus zuordnen. Die bisher stark verbreitete Sehnsucht nach Kreativität im Beruf scheint deutlich nachgelassen zu haben. Kommentiert wird dieser Trend mit den Worten: „Das Interesse an künstlerisch-kreativen Tätigkeiten ist 2020 stark zurückgegangen. Möglicherweise wird das Berufsbild Kreativschaffender unter dem Eindruck der Corona-Krise als unsicher wahrgenommen.“ So weit, so alarmierend für Hochschulen mit Angeboten für Kreative. Sie sollten sich sorgen um ihre künftige Auslastung und den Trend abnehmender Studieninteressierter abfangen. Hinweise hierfür lassen sich aus der Studie ableiten. So Affinitäten zwischen den diversen Typen, die in der Realität selten in Reinform und eher als Mischtypen mit variierenden Akzenten auftreten. So scheinen interdisziplinäre Studienkonzepte mit breiter Kompetenzentwicklung Zukunft zu haben. Solche, die auch Teilinteressen der „Gemeinwohlorientierten“, der „Tüftler/innen“, der „Unternehmer/innen“ und ebenso der „Organisator/innen“ aufgreifen und zu attraktiven Berufsperspektiven vereinen. Zu entwickeln sind Kompetenzprofile, die den Gegensatz von Kreativität im Beruf und sozialer Sicherheit überwinden. Eines ist klar: Schöpferische Kreative braucht eine Gesellschaft im Krisenmodus mehr denn je. Es ist höchste Zeit, kreative Studienkonzepte auf den Prüfstand zu stellen und zeitgemäß zu konfigurieren!

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