Das perfekte Perpetuum Mobile

Es ist die geistige und kulturelle Flexibilität, die kreative Menschen auszeichnet. Sie können schnell auf Veränderungen reagieren und sich den divergierenden Umwelten anpassen. Sie haben nichts gegen Routinen, wenn diese nicht zum Selbstzweck werden. Ihre sinnliche Wahrnehmung ist subjektiv und emotional, während deren intellektuelle Verarbeitung von epistemischen Werten geleitet wird. Das Sehen vor dem „geistigen Auge“ ist antizipativ und immer in die Zukunft gerichtet. So lassen sich mentale Bilder des noch Nicht-Gemachten imaginieren, wodurch künftige Entwicklungen kommunizierbar werden. Für sie ist Zukunft kein blindes Fatum, sondern Herausforderung der Vorstellungskraft. Ja, das ist ein parteiisches Statement und korrespondiert mit dem „Essay über die wichtigste Kompetenz des Menschen.“ – der Kreativität. Doch was behindert sie? Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass sich die allgemeinbildenden Schulen eher auf die Hinführung zu stromlinienförmigen Biografien fokussieren. Wahrscheinlich korreliert das mit den meistbesuchten Studiengängen in Deutschland – BWL, Technik und Jura. So zeichnen sich auch diese Studiengänge nicht unbedingt durch die Entwicklung der Fantasie ihrer Studierenden aus, sondern eher durch den Schwerpunkt auf repetitives Lernen. Auch wird hier weniger Wert auf Future Skills gelegt, geht es doch offenbar mehr um ausgetretene Karrierewege. Schade, dass man dort die Kreativität links liegen lässt! Wachsen doch kreative Unternehmen „um das 2,6-Fache schneller als ihre Konkurrenz“ (laut Studie von Adobe und Forrester). Die Transformation unserer Gesellschaft sollte – hoffentlich recht schnell – die Hochschulen zu einem Umdenken bewegen. Man kann es auch so sehen: Kreativität gehört inzwischen zu den Grundlagen eines jeden Berufs und deswegen auch selbstverständlich ins Studium. Lassen sich doch viele der neuen Anforderungen der Wirtschaft mit Kreativität beantworten – Transformation ohne neue Ideen undenkbar, Agilität ohne flexibles Handeln nicht vorstellbar, organisationale Ambidextrie ohne die Fähigkeit, mit Unschärfen und Mehrdeutigkeit zu arbeiten, glattweg unmöglich. Und Resilienz? Jeder Kreative, der seine schöpferische Kraft im Beruf erfolgreich einsetzt, hat gelernt, persönliche Widerstandskräfte zu entwickeln. Anders kann man nicht an der Zukunftsfähigkeit von Organisationen arbeiten. Sind es doch die kreativen Menschen in der Wirtschaft, die an den Vitalfunktionen tätig sind bzw. sein sollten, um Erneuerungsfähigkeit zu sichern. Kreativität ist das perfekte Perpetuum Mobile für die Neuerfindung unserer Marktwirtschaft!