Design ist sexy! Ist das alles?

Was ist Design? Und warum ist es bedeutsam? Es gibt viele Möglichkeiten einen Begriff wie Design zu erklären. Dieses darf aber nicht absolut oder dogmatisch klingen, noch unverbindlich erscheinen. In der Vorlesung für das 1. Semester biete ich den Begriff Design als Akronym an und leite daraus sechs wichtige Dimensionen ab. Ziel ist, die Studierenden für „ihr“ Thema zu begeistern und nicht von der Kanzel herab zu belehren. Gerade für junge Menschen, die etwas „mit Kreativität studieren“ wollen, sind Design-Studiengänge interessant. Inzwischen gibt es aber viele Studienangebote, die sich stark unterscheiden. Hinzu kommt die Problematik, dass künstlerisch-wissenschaftliche Studiengänge immer noch ein Kommunikationsproblem mit ihrem Profil und der damit einher gehenden Berufsbefähigung haben. Viele HR-Experten wissen nicht, mit welchen Kompetenzen diese Berufsanfänger ausgestattet sind. Hier gibt es eine Bringschuld der Hochschulen und eine Selbstverpflichtung der Studierenden.

Akronym der Subjektivität

Als Lehrer habe ich mich immer gefragt, wie vermittle ich einen solch komplexen Anspruch an junge Studierende? Und die zweite Frage, die sich mir stellte, wäre es nicht besser, wenn jeder der Studierenden seinen eigenen Anspruch an das Design und seine Rolle formuliert? Dabei ist mir diese Eselsbrücke eingefallen – der Begriff Design als Akronym. Ein Akronym ist ein Substantiv, das aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildet wird. Die Anfangsbuchstaben gab es, ich musste allerdings noch die passenden Begriffe mit den relevanten Inhalten dazu finden. Eine solche Auswahl konnte nur subjektiv sein, musste aber insgesamt ein in sich plausibles und belastbares Bild ergeben. Für D fand ich den Begriff Dynamik. Ist doch das Design als Profession sehr heftigen Entwicklungen ausgesetzt und es bringt durch seine Innovation auch Märkte in Bewegung. E steht für Emotion, die man braucht, um kreativ zu sein und die man beim Rezipienten positiv verursachen soll. S für Schönheit als Begriff, dessen Harmonie gefallen muss und das auch über seine Zeit hinaus. Das I steht für Imagination, die DesignerInnen brauchen, um Zukunft zu antizipieren und zu entwerfen. Das Design ein Geschäft ist und sich damit Geld verdienen lässt beweisen immer wieder aufs Neue beispielsweise die großen Markenunternehmen. Und wenn man erfolgreich als DesignerIn sein will, muss man die Fähigkeit zum Networking haben. Die Studierenden mussten allerdings ihre eigenen Begriffe entwickeln.

Nutzen der Leistung verbalisieren und visualisieren

Es geht um den Nutzen des künftigen Berufes für Gesellschaft und Wirtschaft. Ich versuche ihnen nicht mein Verständnis als „Doktrin zu verkaufen“ – sie sollen ihr eigenes Verständnis im Diskurs entwickeln. Design ist sexy, aber vor allem auch intelligent, nachhaltig und gesellschaftsrelevant. Design ist sowohl Profession als auch Phänomen unserer Zeit. Im Team werden einzelne Design-Disziplinen beleuchtet und als visualisiertes Essay in Bookletform am Ende des Semesters als Leistungsnachweis abzugeben. Daraus leitet sich ein Projekt für die Studierenden ab, dass unter „Design for Life“ läuft. Für das (fiktive) Hochschulmagazin muss im Team ein journalistisches Essay zu einer selbst gewählten Design-Disziplin recherchiert, geschrieben, visualisiert und layoutet werden. Diese orientiert sich an den sechs selbst bestimmten Begriffen des Phänomens und der Profession und deren Beschreibung sollte selbstverständlich die positiven und negative Aspekte behandeln. Z. B. Verpackungs-, Mode- oder Markendesign haben diese Polarität. Bilderwelten und Begriffssysteme sind nicht un-sexy …