Gesellschaft – kappt die Spitze des Wohlstands!

Mir reicht´s! Ich habe genug von dieser larmoyanten Polemik! Schon längst hat unser materieller Wohlstand exzessive Dimensionen erreicht. Selbst Kinder besitzen heute mehr als 500 Spielzeuge, so Experten für Ludologie (Spielwissenschaft). Und diese Kinder leben mit ihren Eltern in einem durchschnittlichen Haushalt, der auch schon über 10.000 Gegenstände hat, die – ob benötigt oder nicht – sichtbar zur Schau gestellt werden. Und wenn diese Kinder mit ihren Eltern in einen durchschnittlichen Supermarkt einkaufen gehen, dann sieht sich diese Familie rund 12.000 Artikeln gegenüber, die alle von ihnen gekauft werden wollen.

Ich will gar nicht davon reden, dass das ganze Zeug ja auch noch eines Tages entsorgt werden muss, damit Platz für Neues geschaffen wird. So wie wir es mit den  Lebensmitteln machen – rund ein Drittel davon wird in Deutschland verschwendet, weggeworfen, entsorgt. Wir haben es ja! 2020 lagen die Neuwagenpreise in Deutschland bei durchschnittlichen knapp über 36.000 Euro. Donnerwetter!

Wenn wir uns im Kontext der Transformation über unseren Wohlstand auseinandersetzen, dann muss man sich diesen Reichtum auch deutlich vor Augen führen. Reden wir doch nach meiner Einschätzung über das Kappen einer Wohlstandsspitze, die die Grenze zur Dekadenz zu überschreiten droht. Denn vieles davon landet auf dem Müllberg!

Unsere Gesellschaft respektive unsere PolitikerInnen sollten anfangen, ehrlich mit sich und mit uns zu sein und aufhören, diese larmoyanten Klagelieder zu singen. Wenn wir über den künftigen Wohlstand debattieren, dann sprechen wir über eine neue Lebensqualität, die z.B. Kinder nicht durch bloße Menge überfordert und gleichzeitig ihre Zimmer zumüllt. Das, was hier von Christian Lindner berichtet wird, ist eben nur die halbe Wahrheit. Ja, wir werden ärmer, aber in der Breite nicht arm. Und wenn es Armut in Deutschland gibt, dann sollten wir doch einmal über die angemessene Höhe von Spitzensteuersätzen etc. reden – 35 Prozent des Nettovermögens konzentrieren sich beim reichsten Prozent der Bevölkerung. Solidarität und Loyalität sind keine Einbahnstraßen!

Mir fehlen sowohl seitens der Politik als auch der Wissenschaft klare Ansagen und konstruktive Alternativen, wie denn der neue Wohlstand sozial verträglich zu gestalten ist. Weniger ist mehr?! Warum macht die Designwissenschaft an Hochschulen hier nicht ihren Anfang und schließt zu anderen Wissenschaften auf?! Themen gibt es genug – von Sustainability Design und Circular Economy über Social Design und Frugal Innovation. Sinn und Sinnlichkeit verbinden sich mit Kreativität und Konjunktiv.

DesignerInnen, was hindert euch, eure Vorstellungen von Wohlstand neu zu definieren?

Link: https://www.welt.de/politik/deutschland/article237949367/Christian-Lindner-Der-Ukraine-Krieg-macht-uns-alle-aermer.html

Bildquelle: PhotoAlto (James Hardy)