Innovation als Meta-Disziplin?!

Deutschlands Stärken: Optimierung und Maximierung; wir sind Routiniers mit dem Hang zur Perfektion. Unsere Schwächen: ein zu großes Trägheitsmoment und die falschen Vorbilder. Oder wie sonst erklärt sich unser Wohlstand trotz „Schonhaltung“ laut Handelsblatt vom 10.6.2022? Aber reicht dies, um künftigen Wohlstand zu sichern? Ist es nicht so, dass wir die gesellschaftliche Notwendigkeit zur Innovation zu eindimensional, zu instrumentell im Kontext von Wirtschaft sehen? Und beziehen wir nicht Innovationen zu sehr auf das technische Produkt, die Hardware?

Es wird zwar immer wieder auch auf notwendige Prozess-Innovationen hingewiesen, aber am trägen Fortschritt der Digitalisierung und der Administration ist erkennbar, dass reichlich „Luft nach oben“ ist. Dass es am Geld in Deutschland mangelt, scheint nicht der Grund zu sein. Und Absichtserklärungen von allen Seiten sind ja auch ständig zu hören.

Auffallend allerdings ist, dass in dieser Diskussion die Beziehung der Innovation zur Kreativität mehr oder weniger ausgeblendet wird. Dabei braucht es kreative Menschen, die erfolgreiche Innovationen kreieren und konzipieren, verantworten und vermarkten können. Ob es an ManagerInnen und MitarbeiterInnen mangelt, die sowohl als Einzelne als auch in Kollaboration kreativ sein können?

Wir sollten aufhören, die Innovationsfähigkeit als voraussetzungsfrei von menschlichen Kompetenzen zu sehen. Und dass Elon Musk zum Role Model für Innovation und Erfolg gehypt wird, ist auch nicht nachzuvollziehen. Hat er doch im Grunde die Welt auch nur durch noch mehr Autos „beglückt“. Zudem lässt sich an der Prominenz der Tesla-Autos auch eine Inhaltsleere in der Debatte um den gesellschaftlich-systemischen Wert von Innovation erkennen.

Nach welchen Werten und welchen Innovationen strebt denn eine in Transformation befindliche Gesellschaft? Wertschöpfung braucht Wertsetzung! Ob die E-Autos die Systemfragen unserer Mobilität beantworten, darf bezweifelt werden. Der CO2-Ausstoss ist eben nur eine Dimension der Problematik.

Generell viel mehr zu beachten sind die Vernetzungsfähigkeiten der Planer und Macher von Innovationen. Unser Bildungssystem präferiert immer noch zu sehr den Spezialisten und Einzelkämpfer in den wissenschaftlichen Disziplinen. Würde man das ändern wollen, müsste sich ein Verständnis von Innovation als Meta-Disziplin bilden, die eben technische, geistes-und sozialwissenschaftliche sowie kulturelle Kompetenzen zu einem generalistischen Konzept von Erneuerung zusammenbindet. Beispiel Verpackungsmüll: Trotz hoher Effizienzgewinne beim Material steigt der Plastikmüll – Kreislaufwirtschaft könnte ein Ausweg sein. Aber das System lässt auf sich warten!

Die Komplexität unserer globalen Gesellschaft erfordert ein neues Innovationsverständnis, das sich durch explorative „Grenzüberschreitungen“ mit synergetischer „Disziplinlosigkeit“ auszeichnet. Mit Verve in die Terra incognita …

Bildquelle: DigitalVision