Framing – Zur Intelligenz von Kommunikation und Kreativität

Ein Beispiel für typisches Framing: „Wenn wir in Deutschland die Transformation unserer Wirtschaft nicht zügig mit einer neu austarierten Ökonomie-Ökologie-Relation schaffen, dann werden wir wie die Briten in der Thatcher-Ära eine strukturelle Deindustrialisierung erfahren, von der wir uns in wenigen Teilen nur mühsam und in vielen Teilen gar nicht erholen werden.“ Mit einem solchen Einstieg hätte ich die Wahrnehmung meines Gegenübers gezielt konditioniert.

Eine solche drastische Aussage würde ich zum Start eines adäquaten Projekts vor allen Beteiligten treffen, um zu erfahren, ob auch nur annähernd meine (subjektive) Einschätzung geteilt wird. Ein solches Framing dient der Kommunikation mit den Partnern, aber auch der eigenen persönlichen Vergewisserung. Wenn in der geäußerten Einschätzung Konsens besteht oder dieser dann gemeinsam erst entwickelt wird, leitet sich daraus das „Projekt-Schicksal“ ab. Wird es den erforderlichen Gestaltungswillen mit der notwendigen -kraft bekommen oder wird es in der Bedeutungslosigkeit enden?

Menschen, von denen komplexe Innovationen erwartet werden, sollten Framing als Teil des professionellen Repertoires nutzen. Es geht nicht um Manipulation, sondern um eine Form der kreativen Provokation, die die EntscheidungsträgerInnen zur Selbstreflexion und zum Dialog bringen soll. Im Laufe diffiziler Vorhaben mit vielen involvierten Menschen sind immer Relationen und Kontextualisierungen herzustellen, um das Gemeinsame im Disparaten des Neuen zu finden. Sind doch Informationsstände und Interessenslagen häufig sehr unterschiedlich und kontrovers.

In unseren Projekten ging es auch darum, kreative Prozesse und die folgenden Konsequenzen transparent, nachvollziehbar und möglichst überprüfbar für andere zu halten. Das ermöglicht, einen Prozess gemeinsam und im Konsens zu entwickeln, so dass damit auch die Wahrscheinlichkeit einer adäquaten Lösung steigt. Je nach Projektstand übernimmt das Framing verschiedene Funktionen – es alarmiert, um die Bedeutung zu erfahren, es qualifiziert, um die Budgets zu quantifizieren und es überzeugt, um die Innovation zu realisieren. Das Framing im Projekt braucht der Situation angepasste Denkmodelle und -methoden, die zu Beginn die Realität der Unübersichtlichkeit strukturieren und verhandelbar machen. Hierzu gehört auch, dass die ProblemlöserInnen in Optionen und Alternativen und deren Varianten denken und kommunizieren. So wird versucht, die Überforderung der Entscheidungsverantwortlichen zu minimieren, so dass Risiken kalkulierbar bleiben.

Framing ist die Intelligenz verantwortlicher Kreativität und Kommunikation in komplexen Projekten…

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https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/kenneth-cukiers-viktor-mayer-schoenbergers-und-francis-de-vericourts-framers-18052773.html
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