Gesucht: Freche DenkerInnen mit frischen Ideen

Worüber reden wir hier eigentlich gerade? Wir reden über nichts weniger als über die Zukunft der Bundesrepublik Deutschland, der größten Volkswirtschaft in Europa und der viertgrößten der Welt. Wir reden über eine Wirtschaft, die mit ihren über 45 Mio Erwerbstätigen in hohem Maße exportorientiert ist. Und das alles steht vor dem Hintergrund der von der Politik ausgerufenen “Zeitenwende“, die an ihrem vorläufigen Ende vermutlich „eine neue Weltordnung“ hervorgebracht haben wird.

Also im Grunde ist das ein ziemlich dickes Brett, das von uns über 83 Mio Bundesbürgern gebohrt werden will. Umso unverständlicher ist es, wenn der Zukunftsrat der Bundesregierung in seiner Auftaktsitzung mit dem Bundeskanzler Olaf Scholz nichts weiter als Allgemeinplätze von sich gibt. Schon die Überschrift des Textes zu dieser Veranstaltung sorgt bei mir für eine tiefe Enttäuschung: „Zukunftsrat sieht Innovationen als Motor für die Transformation“. Das ist nun wirklich nichts substantiell Neues und hat keinen Nachrichtenwert. So oder so ähnlich wurde diese Aussage in den letzten Jahren schon x-fach getroffen. Deswegen verwundert es mich auch nicht, dass im weiteren Text nur hinlänglich Bekanntes kommt.

Dass Deutschland Transferschwächen bei der Generierung erfolgreicher Innovationen hat, ist allerspätestens seit dem Faxgerät und dem MP3-Datenformat Allgemeinwissen. Sind doch beides deutsche Erfindungen, die von ausländischen Firmen erfolgreich vermarktet wurden. Mir fehlt es für diese Binsenweisheiten an Verständnis, weil hier über unsere Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit, letztlich über unsere Existenz verhandelt wird. Selbst für eine “Auftaktsitzung“ ist das zu wenig.

Auch verstehe ich nicht, warum bei einem Thema dieser Tragweite immer „die üblichen Verdächtigen“ zusammen kommen. Wer eine andere Zukunft als die Reproduktion von Gegenwart will, braucht unkonventionelle DenkerInnen und unverbrauchte Formate dafür. Ansonsten wird nur der alte Muff ein wenig koloriert statt neuer Farben, die mit Aufbruch und frischem Ehrgeiz zu tun haben.

Wenn wir die „Zeitenwende“ ernst nehmen, dann braucht es einen Plan, dessen Kreativität begeistert und mitreißt. Dafür braucht es gerade auch Menschen, die gegen den Strich gebürstet sind, die nicht nur im Establishment der Funktionäre zuhause sind, die andere wachrütteln können. Es braucht Menschen, die mit ihren Ecken und Kanten auch für schwache Signale von Veränderungstrends empfänglich sind, diese antizipieren können und sich auch noch trauen, Klartext zu reden.

Der Zukunftsrat der Bundesrepublik Deutschland hat ein großes Rad zu drehen – dafür braucht freche Denkerinnen mit frischen Ideen und es braucht eine Politik mit Programmatik und Plan. 

Link: https://www.acatech.de/allgemein/zukunftsrat-der-bundesregierung-sieht-innovationen-als-motor-fuer-die-transformation/

Bildquelle: Website acatech