Politik – die Sicht aus der Vogel- und Froschperspektive

Eine begriffliche und inhaltliche Punktlandung: Das Wort von der „Meta-Krise“ der Außenministerin Annalena Baerbock. Manchmal äußern Menschen, die in der Politik zuhause sind, Gedanken, die so en passant daher kommen und – zumindest bei mir – eine nachhaltige Wirkung zeigen. Zitat aus der FAZ: „Der Klimawandel sei vielmehr „eine Meta-Krise“, er wirke „wie ein Brandbeschleuniger“ für die anderen Herausforderungen, vor denen die Welt stehe.“ Touché!

Solche klaren Worte hätte ich mir schon früher auch von männlichen Protagonisten der Politik gewünscht. Muss man denn AußenministerIn, Grüne und Frau sein, um die Wirkungen eines solchen „Game Changers“ zu antizipieren? Man muss nur alle seine Sinne beieinander haben. Warum? Weil uns die Sinne mit uns selber und vor allem auch mit unserer Umwelt verbinden. Sinnhaftigkeit und Sinnlichkeit haben es in dieser Zeit der Maximal-Beschleunigung und des ohrenbetäubenden Lärms nicht gerade leicht, brauchen sie doch den Dialog und einen Diskurs auch über unangenehme Themen. Und zu diesen gehört der Klimawandel mit seinen Konsequenzen. Genau dieser Game Changer ist es, der unser aller Leben auf den Kopf stellt.

Das Präfix „Meta“ benennt hier eine Krise, die in der Bedeutung über allen Krisen steht und sogar für diese verantwortlich ist. Ich persönlich bin ein großer Freund des Denkens auf Meta-Ebenen, die strukturell Disparates zusammenbringen, Kausalitäten besser erkennen und verstehen lassen. Nimmt man den Klimawandel, seine tiefgreifenden Veränderungen und deren immensen Aufwände zur Abwehr der schlimmsten Folgen, dann erscheint der Angriff auf die Ukraine auf einer anderen Ebene. Immerhin gehört das Land zu den weltweit größten Anbaugebieten und damit auch zu den größten Exporteuren von Getreide. Die Ukraine anzugreifen, lässt sich auch als aggressiver Präventivschlag zur Selbsterhaltung sehen. Und so ganz nebenbei werden die internationalen Prioritäten der politischen Agenda verändert. Nun steht nicht mehr die eigentliche Meta-Krise im Vordergrund, sondern viele Einzelkrisen. Und doch gehören sie ursächlich zusammen.

Wenn also die Theorie vom Game Changer ihre Plausibilität hat, dann wird es ein neues Spiel mit noch unbekannten Regeln, aber hohen Einsätzen geben. Möglicherweise werden auch Einzelne nicht mehr mithalten können und aus Spiel-Partnern werden demnächst erbitterte -Gegner. Gesellschaftliche Zukünfte zu antizipieren setzt die Vogelperspektive voraus, um eine breite Übersicht zu erhalten. Auch braucht es die Froschperspektive, um unten die Hindernisse und niederen politischen Motivlagen z.B. des Machterhalts des einen oder anderen Akteurs zu sehen.

Der Politik hilft der Begriff der Meta-Krise, um den Sinn des Undenkbaren, des Unvorhersehbaren und des Unmöglichen sinnlich zu erfassen …

Link: https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/baerbock-bei-petersberger-klimadialog-klimawandel-sei-meta-krise-18183464.html

Bildquelle: PhotoAlto (James Hardy)