Wirtschaft: Braucht es eine Flatrate für Manager-Weisheiten?

Auf dem Rückflug von Australien nach Deutschland in 1999 fand ich eine dieser kurzweiligen Zeitschriften, die von den PR-Abteilungen der Airlines – mal mehr und mal weniger ambitioniert – produziert werden. Diese Ausgabe hatte sogar Witz – nämlich einen Artikel mit der Überschrift „The good Guru Guide“. Und da ich damals mit Management-Consulting als Leistung unterwegs war, triggerte dieser mich sofort an. (Wahrscheinlich hoffte ich, selbst auf dem Weg zu einem solchen Guru zu sein.)

Und tatsächlich, der Artikel hatte acht Tipps, die man befolgen sollte, um seine Erfolgskarriere zum Guru zu beschleunigen. Einer dieser Tipps lautete: „Invent a catchy aphorism and very soon the world will be beating a path to your door with crisp £50 Notes.“ Allerspätestens jetzt wurde mir klar, dass das Ganze eine Persiflage war. An diese Geschichte fühlte ich mich erinnert, als ich den Text zu „Pause im Kopf“ (Handelsblatt 12.8.2022) las. Hier das Zitat: „Grants Faustformel: Je weniger folgenschwer und irreversibel eine Entscheidung, desto schneller kann sie getroffen – und desto weniger Zweifel sind angebracht. Bei folgenschweren Entscheidungen sei es wichtig, tief in die Analyse zu gehen und auf Zahlen- und Faktenbasis zu entscheiden, statt Probleme immer wiederzukäuen.“ Ja, alles richtig, aber nicht wirklich neu und auch nicht originell! Eigentlich eher etwas für die Projektwoche des Gymnasiums. Lautet denn nicht eine alte Volksweisheit sinngemäß? Nämlich: In kleinen Dingen großzügig und in großen Dingen kleinlich!

Sollte es nach dem Lesen dieses HB-Artikels in unseren Führungsetagen etwa Aha-Erlebnisse gegeben haben, würde ich doch arg ins Zweifeln kommen. Auch das Phänomen des sogenannten Overthinking ist nicht wirklich überraschend. Zuviel Detailwissen kann verwirren und den Weg zum Overview (um in der Terminologie zu bleiben) versperren. Vielleicht täte es in solchen Situationen ganz gut, wenn es in der Management-Bildung auch philosophisch fundierte Entscheidungslehre geben würde. Insbesondere die Kenntnis von wissenschaftlichen Denk- und Problemlösungsmethoden kann sehr hilfreich sein. Und auch die Gestaltung der Prozesse und deren Kommunikation bei komplexen Strategieprojekten lassen sich so steuern, dass Phänomene wie Overthinking vermieden werden. Von Vorteil ist es auch, wenn die MitarbeiterInnen in ihren Fachexpertisen besser als das Management sind, so dass man denen durchaus in ihren Aussagen vertrauen darf.

Und dann gibt es noch den gesunden Menschenverstand, der schon vielen Generationen gute Dienste geleistet hat. Braucht es wirklich eine Flatrate für Manager-Weisheiten?

Bildquelle: DigitalVision