Ein echtes Kreuz- und Quer-Denken

In diesen Tagen veröffentlichte die OECD eine Untersuchung an Hochschulen mit dem Ergebnis, dass die Studierenden nicht ausreichend zum kritischen Denken durch das Studium befähigt werden. Unstrittig ist, dass es in demokratischen Gesellschaften unabhängige und kritische „Geister“ geben muss. Deren Relevanz ist um so dringlicher, als wir uns gerade in großen Transformationsprozessen befinden.

Nun kann man den Hochschulen zugute halten, dass kritisches Denken nicht mal eben so auf Knopfdruck entsteht. Kritisches Denken setzt den eigenen Willen und eine eigene Meinung mit einer dezidierten Position voraus – die aber lässt sich eben nur auf der Basis entsprechenden Wissens erreichen. Und Wissen ist eben nicht nur das vermeintlich „richtige“ Fachwissen einer Hochschul-Disziplin, sondern auch Handlungs- und Methodenwissen, Erfahrungs- und Zukunftswissen.

Kritische Geister wollen wir schließlich nicht als tolerierte Hofnarren mit Alibi-Funktion, sondern als wirksame „Game Changer“. Sie müssen als Profis das kritische Denken beherrschen und mit anderen in Handlung umsetzen. Es geht also nicht um Nörgler oder notorische Besser-Wisser, sondern um Menschen, die wissen, wann, wo, und wie konstruktiv und produktiv Kritik angebracht ist und wie diese umzusetzen wäre. Das kann man lernen! Dazu gehört auch, dass „KritikerInnen“ sich und ihre Kritik verorten, kommunizieren und vernetzen können.

Visualisiert man diesen Vorgang (siehe Grafik), dann kommt man vom Einfachen zum Komplexen. Der Struktur liegt die Ebenen-Einteilung des St. Galler Managementsystems zugrunde, erweitert um die Ebene der querschnittlichen Transformation. In dieser Betrachtung schließt sich Design an andere Disziplinen an. Will man von einem Ex-und-hopp-Kapitalismus zu einer gesünderen Kreislaufwirtschaft kommen, braucht es schon im operativen Bereich das nötige Wissen hierzu. Hier ist die monodisziplinäre Kompetenz der Design-Spezialisten vonnöten, die die Grundlagen für spätere Innovationen legen. Die strategische Ebene verbindet die Innen- mit der Außenwelt des Unternehmens, was nach der Expertise aller einzelnen Design-Disziplinen verlangt. Aktuell spannend sind die Diskussionen zwischen allen Disziplinen auf der normativen Ebene. Schließlich werden hier die neuen Werte der Wirtschaft verhandelt. Was sich bis zu dieser Ebene eher als sequentielle Interventionen darstellt, bedarf auf der transformativen Ebene einer holistischen Konzeption. Geht es doch um nichts weniger als um die Komplexität des ganzen sozio-ökonomischen Systems.

Die Kritikfähigkeit der Systemgestalter braucht die kritische Analyse, die kreative Synthese und den Versuch einer realistischen Risikoeinschätzung aller Veränderungsmaßnahmen. DesignerInnen, keine Angst vor den richtig „dicken Brettern“ dieser Welt. Echtes Kreuz- und Querdenken ist gefragt!

Bildquelle: digitalSTOCK