PolitikerInnen, zerstört die Mühle im Kopf!

Man kann sich nur vertun, irren und verzocken! Die Situation erinnert mich an das Brettspiel „Mühle“: Wenn der Gegner eine „Doppelmühle“ aufgebaut hat, dezimiert er nach jedem deiner Züge deine Steine. Stell dir vor, du bist PolitikerIn in Deutschland und denkst über den Umbau der Wirtschaft nach. Jedes mal wenn du eine Idee öffentlich äußerst, spielt irgendwer mit dir „Mühle auf, Mühle zu“. Irgendeiner Branche oder einem Konzern, Verband oder Interessenvertretung steht man gerade auf den Füßen und dann wird auch sofort laut losgejault und mit Arbeitsplatzvernichtung argumentiert. Oder es wird im Voraus proaktiv mit den berühmt-berüchtigten bürokratischen Hemmnissen lamentiert, die verhindern und ausbremsen. Und wenn diese Bürokratie nicht wäre, so wird behauptet, dann hätte ja dieser Umbau der Wirtschaft auch längst durch sie selbst stattgefunden.

PolitikerInnen selber haben das Problem, dass sie ja auch gerne wieder gewählt werden wollen – von der eigenen Partei und vom Volk. Keiner will etwas verlieren, alle wollen Recht haben und keiner will sich blamieren, geschweige denn opfern. Verständlich, aber eine solche Haltung bringt diese Volkswirtschaft nicht einen Millimeter weiter!

Gestatten Sie den Exkurs in unsere eigene Geschichte: Das Potsdamer Abkommen von 1945 verlangte von uns (mit Recht!) die Dezentralisierung, die Demilitarisierung, die Demokratisierung und die Denazifizierung. So schlecht kann Nachkriegs-Deutschland in der Bewältigung dieser politischen Aufgaben nicht gewesen sein – andernfalls wäre als Folge neben einer stabilen Demokratie auch das Wirtschaftswunder nicht möglich gewesen. Ja, Vergleiche hinken immer ein wenig und diese Zeit ist natürlich eine andere.

Dennoch kann die Besinnung auf die eigenen Stärken vielleicht allen Beteiligten ein wenig Mut machen. Heißen doch heute die „Game Changer“ Demografie, Digitalisierung, Deglobalisierung und Dekarbonisierung. Ja, heute ist alles viel komplexer und noch viel aufwändiger! Aber wir, die Menschen dieser „Nation ohne Rohstoffe“ sind aber auch sehr viel gebildeter und souveräner, erfahrener und internationaler. Die besten Voraussetzungen, um uns aus der mentalen Mühle zu befreien.

Wollen wir unseren Wohlstand erhalten, müssen wir gemeinsam die Wirtschaft umbauen oder auch neu erfinden. Wir sollten noch ein D ergänzen – Dekonstruktion. Gemeint ist das tiefe Hinterfragen unseres Wirtschaftssystems und das Verstehen der Hintergründe, die uns in diese schwierige Situation gebracht haben. Allerdings macht das nur Sinn, wenn es einen breiten gesellschaftlichen, öffentlich geführten Diskurs gibt. Die Devise lautet: Einmischen!

Und dann braucht es noch ein D, nämlich Design. Eine Planung, eine Gestaltung, eine Form des „neuen“ Wirtschaftssystems, das von Kreativität und Ehrgeiz, von Gemeinwohl und Zukunftsfähigkeit als neuer Prämisse lebt. Zu kompliziert? Zerstört die Mühle im Kopf!

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Bildquelle: Eigenes Bild