Anstrengende Selbstgespräche

Denken im Design – das heißt für uns, Selbstgespräche im stummen Dialog mit unserer Umwelt führen. Wobei Umwelt als eine dreidimensionale Kreuzform zu verstehen ist: Diese reicht auf der Horizontalen von der Vergangenheit in die Zukunft der Gesellschaft, auf der Vertikalen vom komplexen System der Artefakte zum technischen Detail und auf der Diagonalen von der Instrumentalität für die Wirtschaft hin zur Lebensqualität der Menschen und ihrem Ökosystem. Dabei sind DesignerInnen ständig im Disput mit diesen oftmals kontroversen Interessen.

Das Unternehmen will viel Wirkung im Wettbewerb bei geringen Kosten, während der Nutzer einen geringen Preis für eine hohe Bedürfnisbefriedigung wünscht. Jedes technische Produkt soll sich selbst erklären, immer fehlerfrei funktionieren und sich konfliktfrei ins Programm der kooperierenden Partner integrieren – jedes Auto hat selbstverständlich im Orchester der individuellen Mobilität die erste Geige zu spielen. Und dann hätte gerne die vom Wohlstand der vergangenen Dekaden verwöhnte Gesellschaft, dass sich dieser Zustand noch weiter optimiert und für die Zukunft fortgeschrieben wird. Von der Notwendigkeit einer ausbalancierten Ökologie ganz zu schweigen. Ach ja, und dann haben die DesignerInnen auch noch ihre eigenen Ansprüche an ihre Arbeit: an ein auskömmliches Einkommen und an die kulturelle Kraft ihrer kreativen Leistungen.

Spätestens jetzt wird klar, dass der Hut, unter den ein solcher schöpferischer Akt passt, ziemlich groß und vor allem äußerst flexibel sein mussl. Und da man ja den Hut auf dem Kopf trägt, wird auch die Notwendigkeit des elastischen Denkens im Design deutlich. Hierzu brauchen DesignerInnen ausgeprägte kognitiv-abstrakte Fähigkeiten, die ihnen ein permanentes Lernen ermöglichen. Die Voraussetzung dafür ist das Denken als Problemlösen, weil DesignerInnen fast immer mit und in Projekten arbeiten, die Unikat-Charakter haben. So werden professionelle Heuristiken entwickelt, die sich ständig weiterentwickeln. DesignerInnen können analytisch denken, allerdings liegt ihre Stärke sehr häufig im assoziativen Denken. Dieses ist immer dann von Vorteil, wenn es darum geht, Trends und Tendenzen als relevante Entwicklungen zu sehen und zu bewerten. Dabei haben die hermeneutischen Fähigkeiten eine essentielle Bedeutung, weil immer der Drang existiert, die Welt als solches zu verstehen. Was immer schwieriger wird! Hier helfen Methoden wie zum Beispiel das induktive, das deduktive, das abduktive und das holistische Denken. In diesen Denkphasen und Arbeitsprozessen entwickeln sich einzelne kreative Gedanken, die sich als Leitmotiv für das Konzept eines Projektes eignen.

Diese Selbstgespräche finden in der Regel dialektisch statt, weil DesignerInnen versuchen, im Disparaten das Gemeinsame zu entdecken. Muss doch alles unter einen Hut am Ende!

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