Wohlstand – Wachstum oder Wahnsinn? Beides hat Grenzen! 

Warum machen wir das? Weil wir es können! Die Deformationen des Konsums unserer Marktwirtschaft haben einen Umfang erreicht, den der Menschenverstand rational nicht mehr erklären kann. Dabei müssten wir es inzwischen besser wissen und auch sehr viel besser machen. Stattdessen laufen wir mit Gebrüll und einem Affenzahn in Richtung Klapsmühle, deren Notaufnahme aber wegen Personalmangels völlig überfordert ist. Man verweist uns auf die Uniklinik, denn die müsste noch freie Kapazitäten haben. Hat sie auch, konstatiert aber, dass sie keine Patienten mit wissentlich selbst verschuldeten Krankheitsbildern aufnimmt. Im Übrigen – so die Uniklinik – wären wir nicht dement, sondern dekadent und dafür gibt es noch keine Hilfe. Wir sollten es durch Imagination mit den eigenen Selbstheilungskräften versuchen.

So oder so ähnlich könnte es passieren, wenn die kapitalistisch geprägte Marktwirtschaft unserer globalen Gesellschaft einen Platz auf der Couch einer/eines guten PsychoanalytikerIn suchen würde, um sich einer Therapie zu unterziehen. An der Zeit wäre es! Allein die komplexe Verschwendung von Ressourcen aller Art ist nur mühsam zu beschreiben. Offenbar haben wir uns (als Deutsche) an diesen Lebensstil gewöhnt und kippen beispielsweise jährlich soviel Lebensmittel in den Müll, dass man davon ein Land wie Afghanistan ernähren könnte. Die Welt hat immer weniger Alternativen, um dem Inferno zu entgehen. Aber wir haben endlos scheinende Regale an Tütensuppen und -soßen zur Auswahl. Und das nennt man Lebensqualität? „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ schrieb Theodor W. Adorno im Exil.

Ist es nicht falsch, wenn ursprüngliche Ziele der sozialen Marktwirtschaft wie Wohlstand für alle pervertiert werden? Unsere sogenannte Produktkultur hat inzwischen eine Diversifizierung erreicht, die einem Gang ins Labyrinth gleicht. Da blickt kein Mensch mehr durch! Notwendig scheint eine strukturelle Systemumstellung. Aber offenbar haben sich die Protagonisten der Wirtschaft derart in ihrem Gestrüpp von Wettbewerb und Wachstum verheddert, dass es immer nur auf demselben Weg weiter geht. Und wenn es eine Sackgasse ist? Sollten nicht die Universitäten mehr mit Forschungs- und Transferprojekten als Korrektiv wirken und auch alternative Konzepte zur Diskussion stellen? Wo endet der Wohlstand, wo beginnt die Dekadenz? Wie wäre eine neue soziale Marktwirtschaft konstituiert, die auf globale Gerechtigkeit abzielt? Schließlich muss schnell ein Ausweg aus dem Labyrinth gefunden werden. Wohlstand ist wunderbar! Aber ab einem gewissen Punkt scheinen die selbstzerstörerischen Kräfte die Überhand zu gewinnen.

Wir haben die „Grenzen des Wachstums“ ignoriert, wir sollten die „Grenzen des Wahnsinns“ ernst nehmen. Dem „Weiter so!“ muss ein „Es geht auch anders!“ entgegengestellt werden. Richtiges Leben ist sehr viel mehr als nur Konsum mit anschließender Mülltrennung! 

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