Nachhaltigkeit – wer zieht den Deichselnagel heraus?

Oder: Wie lässt sich der gordische Knoten durchschlagen? Es gibt scheinbar unlösbare Probleme und undurchsichtige Gemengegelagen zuhauf. Einige Beispiele: Da steht seit Ende September in den Einzelhandelsläden das komplette Naschwerk für Weihnachten und will gekauft werden. Und das in einem Oktober, der mit bis zu 28,7 Grad der wärmste seit 1881 war, seitdem Messwerte aufgezeichnet werden. Ob die Weihnachtsmänner zwischendurch in die Kühlschränke umgezogen sind? Bei wem liegt die Verantwortung für diesen Irrsinn – beim Handel oder den Herstellern?

Anderes Beispiel: Der Spritpreis ist in Deutschland auf Rekordhoch – so teuer wie noch nie. Dennoch wird nicht weniger mit dem Auto, sondern sogar mehr gefahren – so aktuell der ADAC. Trotz Kavalierstarts der Inflation an der Ampel und allen Wissens über die Zusammenhänge zwischen Auto und Klimawandel. Warum passen wir Autofahrer unser Verhalten nicht an?

Apropos Geld: Der Stifterverband bescheinigt den deutschen Hochschulen in puncto Lehre, dass zwar die Richtung stimmt, aber der Veränderungsprozess verheerend langsam ist. Wohl irrelevant, denn für den Zukunftsvertrag Studium und Lehre in den Jahren 2023 bis 2027 werden weitere 676 Mio Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt. Schön, aber warum macht die Politik keinen Druck, dass Reformen zügiger umgesetzt werden. Mich erinnert die Politik an gut betuchte Eltern, die ihren Sprösslingen jeden (materiellen) Wunsch erfüllen, aber keine Zeit für ihre Kinder haben und sie ihrem Schicksal überlassen. Ich frage mich, woher kommt dieses politische Desinteresse? Und warum ist die Politik nur Verwalter und nicht Gestalter des Bildungssystems? 

Noch ein Fragezeichen: Nach der Fußball-WM in Katar finden die asiatischen Winterspiele in 2029 in Saudi-Arabien statt – durchschnittliche Jahrestemperatur 28 Grad! Warum lassen sich die Verbände auf solche Spiele ein? Womit wir beim Spiel mit Feuerwerk in Neu Delhi wären, das – so das Ärzteblatt – zusammen mit dem Abbrennen der Felder für den Smog verantwortlich ist, der zu Schulschließungen geführt hat. Andere Länder, andere Sitten!? Zu erwähnen ist aber, dass in 2019 mehr als 1,6 Mio Inder durch Luftverschmutzung gestorben sind – laut einer im Wissenschaftsmagazin Lancet veröffentlichten Studie. Warum greifen Behörden und Regierung hier nicht drastisch ein?

Nein, ich will hier nicht den Moral-Apostel oder gar den Klugscheißer spielen – ich will einfach nur verstehen, warum sich an den schlechten Gewohnheiten von uns Menschen nichts oder nur im Schneckentempo etwas ändert. Dabei wissen wir doch, dass Menschen aus ihren Fehlern lernen können und in Anbetracht der multiplen Krisen schnellstens lernen müssen?! Irgendwie scheint die Welt allein gelassen, weil keiner meint, Verantwortung zu tragen.

Wer löst den gordischen Knoten und macht uns wieder handlungsfähig? Viel Zeit bleibt nicht mehr …

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