Das Problem sind wir!

Mein Lieblingsspruch ist „Da kann man was draus machen!“ Das galt, wenn ich einen Job antrat, der „Go easy, go lucky“ nicht vorsah – eher das Risiko des Scheiterns. Meist ging es gut, manchmal half das Glück und Niederlagen gab es auch. Das Berufsleben ist keine Leiter, die nur die Richtung nach oben kennt. 

Ob das auch für Deutschland gilt, das mit hausgemachten und strukturellen Problemen im globalen Umfeld zu kämpfen hat. So benennt die FAZ als erstes Problem „Die Globalisierung stockt“ und als selbst verschuldet „Die Bürokratie nimmt überhand“. Während die FAZ ihren Fokus eng auf die Wirtschaft richtet, sehe ich gesellschaftliche Fragen, weil alles seine Entstehung hat und manches die Zivilgesellschaft in einer Demokratie auch mitzuverantworten hat, wie die „Zuwanderung funktioniert nicht“.

Das 21. Jahrhundert wird schwieriger, weil mit weniger Ressourcen mehr und größere Aufgaben zu lösen sind. Gott-Vertrauen wird nicht reichen und Aktionismus schadet. Ich denke, wir betreiben hektische Mangelverwaltung in einem Irrgarten konkurrierender Interessen. Auch mangelt es an Ehrlichkeit, die Defizite der Transformation zu benennen. 

Hier sieben Soll-Positionen, die eine „Mega-Diskussion“ brauchen: 

  1. Deutschland hat kein Zukunftsbild. Unser Denken wird alt.
    Schwierig und wichtig! Deswegen Chefsache, Herr Bundeskanzler. Beim Entwerfen nicht an Koalitionsvereinbarungen oder Grundsatzprogrammen denken, sondern sich fragen, in welchem Deutschland wollen die Menschen in zehn Jahren leben.
  2. Deutschland hat keine Symbiosen. Unser Wissen wird vereinzelt.
    Viel Wissen, viele Orte, keine Wertschöpfung! In Wissenschaft und Wirtschaft finden sich viele kreative Köpfe und Kompetenzen, die sich ohne ein Konzept der Kollaboration verlieren. 
  3. Deutschland hat keinen Plan. Unser Ehrgeiz wird folgenlos.
    Herr Bundeskanzler, wie wäre es mit einer TRAFO 1, die auf nationaler Ebene (ähnlich wie COP) in regelmäßigem Turnus alle Kräfte der Transformation vereint und gemeinsam einen Plan entwickelt, umsetzt und evaluiert? 
  4. Deutschland hat kein Wir. Unser Handeln wird egoistisch.
    Ineffektiv und ineffizient! Das reicht von der individuellen Ebene „Das steht mir zu!“ bis hin zur Regierung, deren gemeinsamer Nenner nur noch zu erahnen ist. Ändern! Sofort!
  5. Deutschland hat keine Kommunikation. Unser Gespräch wird monologisierend.
    Herr Bundespräsident, wie wäre es, wenn Sie die Moderation zwischen den gesellschaftlichen Gruppierungen übernehmen und für Austausch sorgen?
  6. Deutschland hat keine Gestaltung. Unsere Komplexität wird unbeherrschbar.
    Fehlt ein Zukunftsbild, gibt es keinen konzertierten Prozess der politischen Gestaltung und „Das große Ganze“ wird zu einem Flickenteppich der Selbstverwirklicher. 
  7. Deutschland hat keinen Aufbruch. Unsere Substanz wird schwinden.
    Unser Wohlstandsniveau deckelt bislang grundlegende Konflikte. Die Frage ist, wie lange noch? 

Das Problem sind wir und nur wir können es lösen!

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/das-sind-deutschlands-13-probleme-in-der-wirtschaft-wohlstand-wackelt-19371178.html

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