Hoffnung ist endlich!

Was ich aus der Vergangenheit für die Zukunft gelernt habe, ist zum einen, dass es kein Zurück gibt. Die Erkenntnis, dass nichts mehr so sein wird wie es war, kann ihre süßen, aber auch bitteren Momente haben. Zum anderen habe ich gelernt, wie wichtig das Planen ist, auch wenn Pläne sich nie eins zu eins umsetzen lassen. Und dann sind da noch die beiden Lebensweisheiten, in denen viel Wahrheit steckt. „Das Schlimmste erwarten, das Beste erhoffen“ vermeidet Frustration und schafft Glücksmomente im eigenen Verfügungsbereich. Da der Mensch keine Insel ist, sondern sich gerade im professionellen Bereich innerhalb einer mehr oder weniger großen sozialen Gruppe bewegt, gibt es Wechselbeziehungen zu Majoritäten, die oftmals Probleme und Scheitern verursachen können. Diese Dynamik kann sich in Unternehmen bis hin zu großen Nationen abspielen. Doch hier gilt die andere Lebensweisheit als Warnung „Es gibt nichts Schlechtes, das gut endet“. 

Das Dossier der Zeit vom 28.12.2023 stellt die Frage „Was ist morgen?“ und endet angesichts düsterer Klimaszenarien damit, dass uns nur die Hoffnung auf ein gutes Morgen bleibt. Als Beispiel wird hier das Schicksal dreier Bergsteiger geschildert, die sich in einer ausweglosen Lage befanden, die sich dennoch zum Positiven wendete. Ob das für uns als Menschheit gilt, die nicht versteht, wie sie auf die Folgen des Klimawandels schnell und entschlossen zu reagieren hat, bleibt offen. Eben auch, ob hier wie bei den Bergsteigern ein Happy End zu erwarten ist. Denn zu groß ist die Diskrepanz zwischen den Erkenntnissen der Wissenschaft und dem politischen Handeln. Noch glauben wir zu häufig, dass die Emulsion von Klimawandel und Zukunft, wenn wir sie nur immer wieder neu schütteln, zu unseren Gunsten aufgehen wird. Dabei braucht es neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen auch den politischen Masterplan. Denn es gibt auch eine ökonomische Seite, die dramatisch ist angesichts immens hoher Kosten. Bei der Frage, wer soll es bezahlen, gehen erwartungsgemäß die Meinungen zwischen den Reichen und den Armen weit auseinander. Zunächst sind hohe Investitionen in die Bewältigung des Klimawandels zu tätigen, deren Renditen noch völlig ungewiss sind. Noch gibt es kein Geschäftsmodell wie etwa bei der Pharmaindustrie, die in neue Medikamente investiert, da hohe Renditen zu erwarten sind. Hier birgt die Zukunft einer fortschrittlichen Gesundheitsvorsorge enormen ökonomischen Nutzen. Beim Klimawandel muss in anderen wirtschaftlichen Zeithorizonten gedacht werden. Die Paradigmen des heutigen Wirtschaftens stehen dem entgegen.  

Das Zeit-Dossier gebraucht in seinem Intro den Begriff „Menschheitstraum“. Zu Zeiten des Orakels von Delphi war es sicherlich lebenswichtig, auf schicksalhafte Wendungen der Zukunft vorbereitet zu sein. Ob wir heute noch einen solchen Überlebensimpuls haben, darf bezweifelt werden. Ich denke, für den einen Teil der Menschheit reduziert sich Zukunft auf Unterhaltung, weil man keine bessere Zukunft als die Gegenwart vorstellen kann. Der andere Teil dagegen ist dringend auf eine bessere Zukunft angewiesen, weil Kriege und Kinderarbeit, Krankheit und Hunger täglich allgegenwärtig. Vorstellungen von einem besseren Leben sind sehr real. Reicht Hoffnung als Antwort hier auch?

Bildquelle: GOODSHOT