Trends als Perpetuum mobile der Zukunft

Warum sollte man nicht mit hungrigem Magen im Supermarkt einkaufen? Es landen mehr Produkte im Einkaufswagen als geplant. Sie kaufen in einem Moment ein, der von der aktuellen Befindlichkeit, dem Hunger, abhängig ist. Und nicht von Überlegungen, deren Relevanz für die Zukunft dominiert wird.

Dieses Beispiel ist auf Menschen übertragbar, die an innovativen Projekten arbeiten, z.B. technisch, betriebswirtschaftlich oder gestalterisch. Allerdings muss man den Magen durch den Kopf ersetzen. Man sollte nie mit leerem Kopf versuchen etwas zu kreieren! Das ist unprofessionell! Erst mit dem Wissen über das Wesen des Problems lässt sich professionell arbeiten. Ehe man entwickelt und entwirft, ist die Neugier mit relevanten Daten und Informationen, Fakten und Trends zu füttern. Trends sind hier nicht als modische Marginalien, sondern als sozioökonomische Umbrüche zu verstehen. Durch Professionalität erhöht sich deutlich die Wahrscheinlichkeit, dass die Lösung des Problems passt.

Der Einkauf im Supermarkt befriedigt die täglichen Bedürfnisse. Dagegen hat das Konzipieren und Gestalten von Produkten und Prozessen, Projekten und Programmen einen viel weiteren Zeithorizont. Der Fehler des Einkaufens ist schnell korrigiert – Fehler in der Planung sind weitreichend und teuer.

Als ich Ende der 1990er Jahre mit dem Promotionsstudium in Designwissenschaften begann, war ich überzeugt, dass Technik, Finanzen und Recht (TFR) ihre Bedeutung mit „weichen“ Erfolgsfaktoren werden zukünftig teilen müssen. Hintergrund meiner Annahme war die Analyse gesellschaftlicher Trends, die signifikant in die Wirtschaft hineinwirken. TFR als „Statik“ eines unternehmerischen Gebildes braucht nachhaltige Leistungsfaktoren, die für Dynamik sorgen und das Unternehmen wettbewerbsfähig halten. Die Frage war zu beantworten, welche gesellschaftlich relevanten Umbrüche werden die Zukunft des Managements von Unternehmen respektive der Wirtschaft substanziell verändern? Die Anforderungen an das Management wuchsen deutlich – vom Verwalten und Verteilen hin zum Gestalten und Entwickeln.

Neben dem damals aktuellen Stand der Wissenschaft arbeitete ich auch die Ideengeschichte des Designmanagements auf. Der ex post-Betrachtung folgte eine ex ante-Einschätzung der relevanten Trends, deren Ergebnisse sich nach Individuum, Gesellschaft, Unternehmen und Design differenzierten. Ein Beispiel ist die individuelle Wertrelativierung, wie sie etwa auch heute noch am Thema Ökologie zu erkennen ist – Umweltschutz ja, darf aber nichts kosten. Oder der prognostizierte Werte-Wettbewerb der Unternehmen – die heutige Diskussion „Purpose“ macht es deutlich.

Auf Basis der analysierten Umbrüche kristallisierten sich Kreativität, Innovation und Kommunikation (KIK) als die sich gegenseitig verstärkenden Leistungsfaktoren heraus, die das Unternehmen permanent dynamisieren. Trends, das Perpetuum mobile des Wissens über Zukunft …