Eine gesunde Portion Größenwahn

Zukunft? Die spielt sich im Kopf ab! Der Anfang von Zukunft ist die imaginierte Genese von Bildercollagen und Begriffswolken, die in Interaktion mit anderen Menschen fiktionale Gestalt annehmen. Diese Gestalt von Zukunft ist die Basis für ein narratives Brainstorming im Team, für das es ein Genuss ist, am Plot für kommende Zeiten mitzuarbeiten.

Wenn man sich mit Zukunft und einem neuen Narrativ beschäftigt, sollte man die Vogel-Perspektive einnehmen und einen beschreibenden Aufklärungsflug über die zu analysierende Situation starten. Das klingt leicht vermessen und ist es auch, aber ZukunftsgestalterInnen brauchen alle eine „gesunde Portion Größenwahn“, ansonsten würde man sich nicht an Herausforderungen dieser Dimension heranwagen. Wohlgemerkt, die Betonung liegt auf „gesund“!

Durch meine Auseinandersetzung mit Zukunftsgestaltung musste ich erkennen, dass die aktive Herangehensweise in Organisationen eher die Ausnahme denn die Regel ist. Meist braucht es einen hohen Leidensdruck, damit auch das Management seine berühmt-berüchtigte Komfortzone verlässt. Nicht umsonst heißt es „Never touch a running System!“. Diese abwartende Haltung sollte der Vergangenheit angehören! Die neue Zeitrechnung läuft, und die Uhr der Transformation tickt. 

Organisationen, die wissen, dass sie sich jetzt auf den Weg machen müssen, sollten als erstes ihre Kompetenz der Wahrnehmung von neuen Realitäten checken: Wo ist was von den Veränderungen in der Organisation angekommen? Diese Kompetenz muss mit den systemischen Verschiebungen in der Wirtschaft abgeglichen werden, um zu erkennen, welche ökonomischen Anpassungen relevant sind. Egal, was passiert, die Wertschöpfungskette wird sich künftig wandeln müssen. Deswegen sollten Potenzial und Profil der eigenen Produkt-Kompetenz ohne Tabus evaluiert werden. Die ökologische Erneuerung führt zu strukturellen Umbrüchen in der Gesellschaft, die nachhaltige Innovationen mit sich bringen.

Unter dem Druck der gesellschaftlichen Transformation werden sich die Innen- und die Außenwelt von Unternehmen, Öffentlichen Verwaltungen und Forschungseinrichtungen verändern und ihre Kompatibilität neu herstellen. Jede Organisation sollte sich eine virtuelle Transformationszone als Szenario einrichten, in der der Erneuerungsprozess geplant wird. Nötig sind eigenverantwortliche Richtungsentscheidungen, da es keine verlässlichen Voraussagen für gesellschaftliche bzw. wirtschaftliche Entwicklungen gibt. Den Plot für den eigenen Fortschritt schreibt jede Organisation selbst – im iterativen Verfahren mit Coach und Consulting, Management und Mitarbeitern. Gefordert ist die Dialog- und Strategiekompetenz, weil eine erfolgreiche Innovationsfähigkeit vom Funktionieren der Umweltkommunikation abhängt. 

Ohne den bilateralen Gestaltungswillen und die erforderliche Umsetzungskraft wird die Transformation scheitern. Es braucht den Mastermind mit einer gesunden Portion Größenwahn …

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