CEOs, eure Kopfnoten?

In der Schule saß ich gerne hinten. Zum einen konnte ich alles übersehen und zum anderen hoffte ich, dass ich mich in den ungeliebten Fächern wegducken konnte. Ja, Kinder denken manchmal naiv. Natürlich funktionierte das nur bedingt und die sogenannten „Kopfnoten“ brachten mein Engagement auf den Punkt. Als ich später als Lehrer vor den Studierenden stand, sah ich das Thema „Beteiligung am Unterricht“ aus einer anderen Perspektive. Die fehlende Beteiligung ist nicht nur Ausdruck von Introvertiertheit, sondern auch von Überforderung und Desinteresse. Ob das auch für die Spitzenkräfte der Wirtschaft gilt?

Wer sich kontinuierlich die Nachrichtenkanäle anschaut, erkennt, dass sich die Weltordnung neu organisiert und am Ende möglicherweise kein Stein auf seinem gewohnten Platz bleibt. Auf einmal merken wir, dass es uns sehr wohl als Gesellschaft etwas angeht, „wenn in China die Wurst knackt oder ein Sack Reis umfällt“. Die hohe Arbeitsteilung in der globalen Wirtschaft hat zu einer starken wirtschaftlichen Vernetzung und damit auch Abhängigkeit geführt. Hinzu kommen diverse Kriege und Konflikte, Krisen und Konfrontationen als Ausdruck tiefgreifender Umbrüche. Nicht nur die Wirtschaft als solches, sondern auch die komplette gesellschaftliche Struktur stehen vor einem Paradigmenwechsel. Werden sie dies als Getriebene erleben oder werden sie zum Treiber der Veränderungen? Lassen Sie uns über Beteiligung an der Zukunftsgestaltung reden …

Jede Reise hat eine Richtung und jede Veränderung hat ihr Verfahren – zumindest in gesellschaftlich relevanten Dimensionen. Dabei gibt es immer eine Position, von der man startet, und eine, die man erreichen will. Diese Positionen haben ihre Koordinatenwerte, die vor Irrfahrten bewahren sollen. Und darum geht es! Jede Position hat ihre Werte und die sollten bekannt sein. Die Zukunftsrichtung sollte nicht mehr in Hinterzimmern ausgehandelt oder hinter vorgehaltener Hand Gleichgesinnten vermittelt werden. Die Werte für die Reise unserer Gesellschaft in die Zukunft sind öffentlich und von allen zu erarbeiten! CEOs, wir müssen reden …

Abwandlung eines Kant-Zitats: 
„Gesellschaft ohne Wirtschaft ist leer, Wirtschaft ohne Gesellschaft ist blind.“ 

In Anbetracht der extremen politischen Zuspitzung unterschiedlicher Perspektiven sollte sich das Top-Management der Wirtschaft fragen, ob sie eine leere Gesellschaft oder eine blinde Wirtschaft wollen? Wenn nein, sollten sie sich am Zukunftsdesign beteiligen und gestalten. Basis eines jeden Designs ist der Dialog. In diesem Fall braucht ein Zukunftsdesign einen multi-lateralen Dialog, der durchaus kontrovers sein kann, aber konstruktiv auf Basis eines demokratischen Grundverständnisses geführt wird. Dabei sollte es nicht nur um drohende Energiekosten und deren Subventionierung gehen, sondern um Deutschlands Entwicklung und deren Supervision. 

CEOs beteiligt euch! Zukunft und wegducken passen nicht zusammen.

https://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/afd-enthuellungen-von-correctiv-linkedin-top-voices-und-dax-vorstaende-weiterhin-still-a-526154dd-9432-4ddf-b803-3e36fe61bed0

Bildquelle: DigitalVision