Keine hippen Produkte, sondern holistische Prozesse!

Was ist eigentlich Zukunftsdesign? Es ist das Bekenntnis zum Aufbruch! Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Zukunftsdesign ergibt aber nur Sinn, wenn auf das berüchtigte Gesellschafts-Mikado „Wer sich zuerst bewegt, hat verloren!“ verzichtet wird. Zukunftsdesign ist auf Wachstum angelegt – wir wachsen mit den angenommenen Herausforderungen. Hier ist es nicht der starre Blick auf den eigenen Profit, der möglichst schnell ins eigene Portemonnaie zu fließen hat. Vielmehr ist es ein Plot, an dem jeder der Beteiligten mitschreiben kann, der weiß, dass die alten Lösungen eben nicht mehr taugen. Auch will keiner der Akteure in Schönheit, aber verarmt sterben. Zukunftsdesign basiert auf der Annahme einer notwendigen Transformation, die sich den gesellschaftlichen und ökonomischen Problemen stellt und diese zu neuen, angemessenen Lösungen führt.

Wenn ich demnächst im Podcast mit Claudia Lutschewitz von ServantPolitics und Klaus Kofler von der Future Design Akademie über politisch induziertes Zukunftsdesign spreche, dann diskutieren wir über ein neues, weiter gefasstes Designverständnis. Es geht nicht um hippe Produkte, sondern um holistische Prozesse; nicht um unternehmerische Profite, sondern um gesellschaftliche Probleme. Hier werden die Potenziale von DesignerInnen eingesetzt, die den Blick für die Ganzheitlichkeit und zudem den Antrieb haben, immer wieder Neues auszuprobieren.

Gerade das Industrial Design hat sich in Teilen als Transformationsleistung verstanden, wenn auch im Rahmen der klassischen Marktwirtschaft und vornehmlich als Dienstleistung. Designprozesse sind kollaborativ, kreativ und stehen unter dem Postulat der Innovation. Zudem hat das Design zwei unterschiedliche Interessen in seine Problemlösungen zu integrieren – das Unternehmen und den Gebraucher. Und auch ökologische Relevanz ist dem Design inhärent. Was auch bedeutet, dass das wettbewerbsorientierte und differenzierende Design seine Mitschuld an der sinnlosen Überflussgesellschaft hat. 

Transformationsprojekte haben ihre eigene Logik: Jeder Prozess startet mit dem Bewusstsein aller Beteiligten, dass es sich um eine intervenierende Themenstellung handelt. Es geht um gewollten und gestalteten Paradigmenwechsel in Lebensmodellen und in gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Projekte wollen und sollen verändern! Das gelingt nur, wenn die Teams interdisziplinär und in einem neu designten transformativen Format arbeiten. Jedem Veränderungsprozess liegen Werte der Planung zugrunde, die ungewohnt bis kontradiktorisch zu den bisherigen Zielvorstellungen sein können, wenn nicht sogar müssen. Neue Wertesysteme bergen in sich ein hohes Risikopotenzial, das es vorher zu analysieren gilt. Diese Prozessphasen verlangen von den Beteiligten ein hohes Maß an Professionalität und Verantwortung. Aber mit 08/15-Problemlösungen realisiert sich keine Transformation …

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