Was geschah an einem 7. April?
1614 starb an diesem Tag der große Maler El Greco, dessen Eigensinn und Eigenständigkeit mithalfen, die kirchliche (katholische) Bilderwelt durch seine individuelle Bildsprache zu reformieren.
1860 wurde Will Keith Kellog geboren. Er verließ mit 14 die Schule, weil ihn seine Lehrer für dumm hielten. Mit seinem Bruder erfand er die Cornflakes und gründete ein Unternehmen, dessen aktueller Umsatz bei rund 14 Milliarden US-Dollar liegt.
1920 war die Geburt von Ravi Shankar. Der indische Sitar-Musiker hatte beispielsweise großen Einfluss auf George Harrison von den Beatles und beeinflusste deren Musik nachhaltig.
2005 starb Max von der Grün, einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Arbeitswelt-Literatur. Er schrieb unter anderem das verfilmte Jugendbuch „Vorstadtkrokodile“, das die Abenteuer eines querschnittsgelähmten Jungen in einer Kinderbande erzählt.
Vier Beispiele von Menschen, deren Kreativität für ihren Lebenserfolg verantwortlich ist. Eine Kreativität, die nicht durch eine Künstliche Intelligenz zu ersetzen ist. Eine Kreativität, deren genuine Leistungen auch zu ökonomischen Erfolgen führten. Eine Kreativität, die künftig immer fundamentaler wird.
Warum der 7. April? Weil es mir hier und jetzt (7.4.2026) einmal mehr um das Thema Kreativität geht. Und ich behaupte, dass jeden Tag auf dieser Welt unglaubliche kreative Leistungen stattfinden, die entweder sofort oder später unser Leben beeinflussen, wenn nicht sogar völlig verändern.
Als Wissenschaftler und Lehrer begeistere ich mich für historische Meilensteine in der Kreativität, aber vor allem interessiert mich die Rolle der Kreativität als wesentlicher Treiber der Zukunftsgestaltung. So lässt sich heute immer deutlicher erkennen, „Kreativität ist … in sehr vielen Berufen relevant …“ – siehe „Diese Jobs wird KI nicht ersetzen“ (6.4.2026, handelsblatt.com). Zukunftsfähig sind „Auch Berufe, in denen es um komplexe Problemlösungen geht …“. Womit wir bei einem holistischen Verständnis von Design sind, das seine Kernkompetenz in der Kreativität sieht und seine Wirkung durch komplexe Problemlösungskompetenz zeigt. Eine erratische Welt erfordert immer mehr Menschen, die in ihrem Denken (und Handeln) schnell und flexibel agieren und reagieren können.
Design als Meta-Skill für modellierende Transformationsprogramme braucht eine professionelle Kreativität (z.B. Kellog), die ein ökonomisches Ziel verfolgt. Es braucht eine intellektuelle Kreativität (z.B. von der Grün), die das Zeitgeschehen kritisch reflektieren kann. Es braucht eine erneuernde Kreativität (z.B. El Greco), die noch nicht Gedachtes in die Welt bringt. Und es braucht eine kollaborative Kreativität (z.B. Ravi Shankar), die ungewöhnliche Synergien schafft. Es braucht eine Kreativität als universale Kraft, die das Wort „alternativlos“ nicht kennt.
Wenn unsere Gesellschaft nicht museal werden will, muss sie ihr Verständnis von Kreativität neu verhandeln.

