Innovation – das Bohren von dicken Brettern

Wenn ich etwas in meinem Berufsleben gelernt habe, dann die Erkenntnis, dass sich die Lösung eines Problems nicht im Problem selbst findet, sondern immer in der Persönlichkeit des Problemlösers. Es ist die Haltung der Menschen, die das Problem lösen. Wenn Menschen nur darauf aus sind, Probleme schnell loszuwerden, schwimmen sie oft nur im Fahrwasser der Vergangenheit, statt mit neuer Perspektive an Probleme heranzugehen. Vielleicht haben sich in Deutschlands Wirtschaft zu viele Menschen insbesondere im Management auf den Lorbeeren der Vergangenheit bequem eingerichtet und verlernt, wie man dicke Bretter bohrt. Woher kommt es sonst, dass es heißt: „Zahl arbeitsloser Manager erreicht Höchststand“ (13.1.2026, handelsblatt.com). Entlassungen sind eigentlich immer ein Zeichen schwindender Wettbewerbsfähigkeit.

Wettbewerbsfähigkeit – eine Tugend, die weniger von definitorischen Unterscheidungen als letztlich von faktischer Leistungsfähigkeit lebt. Gebraucht werden die besseren und vor allem die begehrenswerteren Produkte und Dienstleistungen. Und die zu schaffen, erfordert inzwischen eine exzellente Professionalität in allen Leistungsbereichen. Längst kann jeder kleine Fehler im Wettbewerb fatale Folgen haben. Marktwirtschaft ist ein Hochleistungssport für Spitzenathleten geworden. Doch wird unser Nachwuchs auf ein „High-End-Management“ vorbereitet? Wohl eher nicht, glaubt man dem Zukunftsforscher Hartwin Maas. „Den Studenten fehlt es an fundamentalen Fähigkeiten“ (13.11.2025, faz.net), so die Überschrift des Interviews mit ihm. Einer seiner Kritikpunkte: Das „um die Ecke denken“ wird immer weniger bei den Studierenden entwickelt. Fatal! Ist es doch eine der zentralen Fähigkeiten, um Innovationen zu kreieren und eine neue Form von Wettbewerbsfähigkeit zu generieren. Ob ein Teil der Malaise unserer Unternehmen auch darauf zurückzuführen ist, dass Bildung instrumentell und nicht als der sozio-kulturelle Humus einer entwickelten Gesellschaft gesehen wird?

Wenn wir wieder die Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft auf ein internationales Spitzenniveau heben wollen, dann muss unser Bildungssystem auf dem gleichen Level agieren. In einer Arbeitswelt, in der kreative Teamleistung statt Selbstdarstellung zählt, in der das originär Neue statt der Variation des Bekannten händeringend gesucht wird, braucht es ein zukunftsweisendes Verständnis von Innovation. Mir scheint der Aspekt der Integrität zu wenig bedacht. Eine Innovation ist in diesem Sinne „unbestechlich“, wenn sie sich durch sinnstiftenden Nutzen und durch lebensnotwendige Priorität legitimiert.

Ein solches Verständnis von Innovation funktioniert nur mit Menschen, die gelernt haben, das Wesen und das Wesentliche von etwas zu erkennen. Und die sich nicht mit dem Betrachten der Oberfläche und ihrer Kosmetik zufriedengeben. Aber dafür braucht es ein Bildungssystem, das sich an den Idealen der Zukunft und nicht an den Meriten der Vergangenheit orientiert.

Dünnbrettbohrer statt Innovatoren?! Da drängt sich die Frage nach wettbewerbsfähigen und integren Innovationen für ein Hochlohnland (ohne Rohstoffe!) wie Deutschland förmlich auf. Für mich macht sich die Unbestechlichkeit einer Innovation daran fest, wie sinnstiftend und wie lebensnotwendig – im wahrsten Sinne des Wortes – diese für die Welt und ihre Menschen ist.