Irgendwann wurde ich von einem Leser meiner Posts als „Prof. Dr. für Tralala“ bezeichnet. Es war despektierlich gemeint. In meinem Post hatte ich eine Kritik formuliert als Vorbereitung einer möglichen Lösung, die besagter Leser als unrealistisch und eben nur theoretisch abtat. Was mir fehlte: mein Rezensent hatte keine eigene Lösung oder wenigstens einen Denkansatz angeboten. Dann hätten wir diskutieren können und gemeinsam eine dritte Lösungsmöglichkeit entwickelt. Dennoch fand ich meine neue Denomination witzig und benutze sie immer, wenn ich wieder mit Ideen tanze, deren Schwung und Rhythmus andere mitziehen soll. Das allerdings wird immer schwieriger. Auf eine geäußerte neue Idee kommen (gefühlt) neun defätistische Stimmen, deren Sätze mit „Ja, aber …“ beginnen und die keine eigenen Ideen haben. Nur tote Ideen sind gute Ideen – die deutsche Krankheit?!
In letzter Zeit las ich immer wieder, dass wir in Deutschland kein Ideen-, sondern ein Umsetzungsproblem hätten. Mit Verlaub – das ist beschönigend. Wenn jemand erfährt, dass er schwer krank ist und trotzdem seinen ungesunden Lebensstil nicht aufgibt, dann verzockt er mutwillig sein Leben. Partikular-Pupsereien wie Lifestyle-Teilzeitarbeit vernebeln die Notwendigkeit eines neuen strukturellen Gesellschafts- und Geschäftsmodells für diese Republik. Selbst die konservative FAZ titelt „CDU ohne Konzept in der Wirtschaftspolitik“ (1.2.2026, faz.net). Geht es noch schlimmer?
Zukunft ignorieren? Oder doch besser Zukunft initiieren? Und dem Patienten eine echte Chance geben! Die Politik sollte wieder in ganzen Sätzen und nicht in verbrauchten Platituden sprechen lernen wie „Mehr netto vom brutto!“ Sie sollte aufhören, in Überschriften zu denken und in Mikrofone zu lächeln, sondern sich intensiver in Themen einarbeiten und mehr Sachwissen generieren und kommunizieren. Nur so kann eine übergreifende, verbindende Leitidee für den Umbau des Staates in einem erstarkten Europa kreiert werden. Die Russen haben ihren Imperialismus, die Amerikaner ihre MAGA-Elite, die Chinesen ihren Staatskapitalismus und wir unser Kleinklein.
Wo bleiben unsere neuen Leitideen für ein resilientes Europa? Vielleicht muss es eines Tages schnell gehen, weil wir eine parteienübergreifende Regierung der multinationalen, paneuropäischen Einheit brauchen. Weil plötzlich klar ist, dass das Nationalstaatskonstrukt obsolet ist. Und das Ganze als Summe einer Addition eben doch nicht mehr wird. Nur Europa kann Europa stabilisieren! Alle anderen wollen destabilisieren! Jetzt ist Europa das „Land of the Free“, nicht mehr die USA. Deutsche Europäer macht was draus!
Alle europäischen Nationen haben schon immer voneinander gelernt und profitiert. Jetzt, wo man aus existentiellen Gründen genau darauf angewiesen ist, sollte man sich nicht in Spiegelfechtereien ergehen. Stattdessen: Deutschland kann Wirtschaft – Wirtschaft kann Europa – Europa kann gegenhalten! Und das alles mit einem fröhlichen Tralala …

