Woran erkennt man ZukunftsgestalterInnen? Tragen sie weiße Sneaker und ihr Outfit mit der Eleganz eines ehemaligen Bundestrainers für Fußball? Nein, es sind nicht die äußeren Attribute, sondern vielmehr zeichnen sich ZukunftsgestalterInnen durch ihre Nachdenklichkeit, ihre Vigilanz und ihr kollaboratives Charisma aus. Hinzu kommt eine unaufdringliche Intellektualität, die ständig auf der Suche ist, ohne zu wissen, was gesucht wird. Aber doch finden sie jedes Mal etwas, das für Überraschungen sorgt. Sie kennen die Vergangenheit, weil sie aus ihr lernen, ohne sie zu verklären. Sie lieben die Zukunft, lassen sich dennoch nicht von ihr verführen. Sie wissen, dass Zukunft immer wieder hart erarbeitet werden muss. Und sie kennen vor allem den Preis für fehlende Aufmerksamkeit in dieser Beziehung. Man könnte diese Menschen auch als die „Archäologen der Zukunft“ bezeichnen. Sie suchen die Spuren, die die Zukunft schon in Gegenwart und Vergangenheit hinterlassen hat.
Welche Spuren hat unsere Zukunft in der Vergangenheit gelegt? Na, beispielsweise Erkenntnisse wie diese: „Bisher ist noch jeder Champion irgendwann untergegangen.“ Diese stammt aus dem Artikel „Es war einmal ein Exportweltmeister“ (21.11.2025, sueddeutsche.de) und macht klar, dass die Brüchigkeit der Wirtschaft und die Vergänglichkeit ihres Erfolgs schon früher hätten erkannt werden können, wenn man danach gesucht hätte. Da uns dieser kritische Forschergeist fehlte, ist nun „Der Preis der Bequemlichkeit“ (14.11.2025, sueddeutsche.de) zu zahlen. Das passiert, wenn man Zukunft als Fortschreibung von Gegenwart versteht. Das passiert aber auch, wenn man Erinnerungslücken hat und vergisst, dass Innovationen kein Selbstläufer sind, sondern erfolgreich in den Markt gebracht werden müssen. Jedoch: „Brillant in der Forschung, schwach in der Umsetzung“ (25.11.2025, handelsblatt.com) wird der deutschen Wirtschaft attestiert. Ignorieren wir, dass eine gute Ernte (Innovation) auch eingefahren (erfolgreich) werden muss?
Eine erfolgreiche Zukunft wird von Innovationen bestimmt, deren sinnstiftender Nutzen für die Überraschungen sorgt, die die Welt braucht, um Fortschritt zu erleben. Natürlich muss man an der Idee des Fortschritts arbeiten, an Utopien glauben und wissen, dass andere Nationen mindestens so ehrgeizig sind, wie wir (es einmal waren?).
Immer öfter drängt sich bei mir der Verdacht auf, dass unser Hochschulsystem zu viele Kassenwarte, Schatzmeister und Schriftführer produziert und viel zu wenige Kreative, Innovatoren und ZukunftsgestalterInnen. Dabei bräuchten wir ein Future Management sowohl in der Makro- als auch in der Mikroökonomie. Ganz zu schweigen vom Bedarf in der Politik und in der öffentlichen Verwaltung. Wir brauchen händeringend Kompetenz in der normativen Zukunftsgestaltung – als Reaktion auf den Paradigmenwechsel – und in der instrumentellen Zukunftsgestaltung – als Reaktion auf die vergessenen Lehren der Vergangenheit.

