Consulting – Goethe hatte doch Recht!

Es gibt immer wieder Wahrheiten, die alt sind und trotzdem gültig. Zum Beispiel solche von Johann Wolfgang von Goethe, der in einer komplett anderen Welt vor rund 200 Jahren lebte. Mit dem Zitat „Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“ betonte Goethe, dass das Gute nicht das Framing durch die Exotik des Entfernten braucht. Aber, Rio de Janeiro versprüht natürlich mehr Glamour als Regensburg …

Als ich das Interview „Größe muss kein Nachteil sein, wenn es um Innovation geht“ (10.2.2026, handelsblatt.com) mit dem Harvard-Professor Gary Pisano las, fiel mir unser Dichter, Politiker und Naturforscher Goethe ein. Der Harvard-Professor und Berater wird zitiert mit den Worten: „Innovation folgt harten Regeln – die Manager vorgeben müssen.“ Sorry, aber für mich hat das keinen neuen Erkenntniswert. Es gibt reichlich deutsche Beispiele von Unternehmen, die das so praktizieren, und Berater, die das so fordern. 

Selbstverständlich hat jedes seriöse und professionell geführte Unternehmen „harte Regeln“, wenn es um Innovationen geht, die die Zukunft sichern sollen. Zumindest ich kenne keine Unternehmen, die wie ein anti-autoritärer Kindergarten geführt werden. Und dass das Top-Management den Innovationsprozess anführen muss, ist auch eine Binse. Im Übrigen ist ein Teil der Entlohnung von ManagerInnen dafür, dass das Unternehmen in zukunftssichere Gewässer (durch Innovationen) navigiert wird. Na ja, und dass Größe von Unternehmen kein Malus, sondern „sogar eine Chance“ ist, liegt allein in Anbetracht der hohen Investitionen von Innovationen auf der Hand. Aber lesen und urteilen Sie selbst …

Kompetenzen, wie im Interview gefordert, findet man in Deutschland auch vor der eigenen Haustür. Dafür muss man nicht nach Harvard. Aber das Links-Liegen-Lassen der eigenen Potenziale hat Tradition. Schon 1996 erschien in der Zeit der Artikel „Die fremden Gurus“, in dem die amerikanische Dominanz in den Managementtheorien bewundert und die deutsche Unterlegenheit beklagt wurde.

Warum besinnt man sich hierzulande nicht intensiver auf die eigenen Erfahrungen, Stärken und Ambitionen? Deutschland hat doch genügend „Hidden Champions“ (Simon) mit individuellen Managementansätzen, von denen man lernen kann.

Ein professionelles und ambitioniertes Management sorgt dafür, dass es ein eigenes kreatives Ökosystem hat, das das Unternehmen motiviert und in Richtung Zukunft bewegt. Es braucht so etwas wie einen „Oikos der Zukunftssicherung“ als Dreh- und Angelpunkt eines ständigen Lern- und Austauschprozesses zwischen der Innen- und der Außenwelt des Unternehmens. Management wird zum Balanceakt zwischen absorbierendem Alltagsgeschäft und inspirierender Innovationsplanung. Dieser Oikos wird einerseits durch die ruhenden Belegschaftspotenziale und andererseits durch die unentdeckten externen Innovationsexpertisen zu einer Terra incognita für Prospektivität und Potenzialität. Und dafür braucht es keine „fremden Gurus“ …

Ein professionelles und ambitioniertes Management sorgt dafür, dass es ein eigenes kreatives Ökosystem hat, das das Unternehmen motiviert und in Richtung Zukunft bewegt.