Eigentlich interessieren mich Wettervorhersagen nicht. Ich nehme das Wetter, wie es kommt. Schaue ich eine der Wettersendungen im Fernsehen, finde ich gut, dass diese bewertend kommentiert werden und uns an den Klimawandel erinnern. Die Redaktionen fühlen sich verantwortlich zu informieren, auch wenn die Konsequenzen des Klimawandels die Menschen immer weniger zu interessieren scheinen. Nicht einmal 16.000 Hitzetote in diesem Sommer in Deutschland scheinen ernsthaft zu berühren. Sind wir alle schon total abgestumpft oder von jeglicher Vernunft verlassen?
Vernunft – eine grundlegende Prämisse, damit man halbwegs ungeschoren durch das Leben kommt. Jedem „vernünftigen“ Handeln liegen Kriterien der Bewertung zugrunde. Natürlich können die variieren! Und natürlich sollte sich das politische Handeln für ein 84-Millionen-Volk nicht nach eindimensionalen Maßstäben ausrichten, sondern mit hoher Komplexität umgehen können und sich der Auswirkungen auf die Zukunft bewusst sein. Deswegen wird dem Begriff der Verantwortung eine besonders tiefe Bedeutung zuteil. Ist uns das klar?
Noch dreimal schlafen und dann kommt er, der berühmt-berüchtigte Tankrabatt. Die Preise an der Zapfsäule sind der große Aufreger, aber die zugrunde liegende Krise geht den meisten am Arsch vorbei. Wieder verbrennen wir 2,5 Milliarden Euro – für was genau? Nur Träumer würden die Augen öffnen und hoffnungsfroh sagen: „Aller guten Dinge sind drei“. Hätte eine einfache Entscheidung wie eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht auch gereicht? Aber eine solche Maßnahme scheint völlig vergessen zu sein, offenbar durch politische Demenz. Nicht das Kapital, sondern die Vernunft ist in unserem Land zu einem äußerst scheuen Reh geworden, das sich immer seltener und immer weniger Menschen zeigt. Man muss da gar nicht mit dem großen deutschen Philosophen Immanuel Kant und seiner „Kritik der reinen Vernunft“ kommen. Im Grunde reicht die Mittlere Reife an einer Schule in der Provinz, um zu wissen, dass man eine Mangelsituation durch eine Subvention eher noch verschärft. Aber seit der Diffamierung der Grünen als Verbotspartei sind Verbote in die politische Schmuddelecke gerutscht und werden daher als Instrument in dieser Krise gemieden.
Ich fürchte, dass solche Aktionen wie der Tankrabatt zukünftige Probleme nur verstärken werden. Wir kaschieren für den Moment Probleme und lösen sie nicht. Neben Vernunft ist daher ein weiterer wesentlicher Begriff für mich: Weitsicht – fundamental in Situationen multipler Krisen. Allerdings setzt Weitsicht in der Politik eine relativ konkrete Vorstellung von der Zukunft voraus. Es braucht einen Masterplan, der Vernunft und Weitsicht vereint. Und genau das scheint derzeit in Deutschland nicht realisierbar. Sind Biotope der Vernunft ausgerottet?
Vielleicht könnte die Politik von Wettervorhersagen etwas lernen: Mehr Wissen, weniger Meinung. Mehr Modell, weniger Aktionismus. Mehr Zukunft, weniger Mottenkiste. Mehr Vernunft, weniger Panik.

