Strategie – Erfindung und Zerstörung von Regeln

Keine Ahnung, wieviel Lebenszeit ich durch Strategie-Meetings in meinem Berufsleben verloren habe. Warum? Weil keiner der TeilnehmerInnen wirklich ernsthaft bei der Sache war. Ja, die meisten Anzugträger konnten vor Kraft kaum gehen und waren überwiegend mit ihrer persönlichen Performance befasst. Zwar gab es ein Mordsgetöse, aber am Ende blieb meistens alles so, wie es war. Selten kam es dazu, dass sich strukturell neue Impulse für die Zukunft des Geschäftsmodells ergaben. Ob es um die Leistungsfähigkeit eines Wirtschaftsunternehmens oder einer Hochschule ging, die Stagnation war ähnlich. Fazit: Alles drehte sich, nichts bewegte sich. Das ging so lange gut, wie es noch keine echten Game Changer gab.

Wie sich die Zeiten geändert haben! Heute kann man fast in Echtzeit verfolgen, wie schnell sich das Weltgeschehen dreht. Und die, die sich wenig bis gar nicht bewegt haben, bemerken ihre Trainingsrückstände und laufen dem Gegner nur noch hinterher. Warum das so ist? Weil der Gegner nicht physisch, nicht sichtbar, nicht fair ist. Der Gegner gleicht einem Horrorfilm – so wie „The Fog – Nebel des Grauens“ von 1980. Heute sind es die Zombies des Nationalismus und des Protektionismus, Autokraten und Tech-Oligarchen. Und immer deutlicher wird, dass sich diese Untoten nicht durch Rhetorik-Artisten beeindrucken lassen. Es muss was passieren! 

Man kann sich diese Manager-Mugs mit den Werbe-Weisheiten wie „Jede Veränderung beginnt im Kopf“ bestellen – schmücken jedes Meeting. Aber offenbar ist immer der Kopf des anderen, nie der eigene gemeint. Dabei muss inzwischen jeder kapiert haben, dass unsere alte, geregelte Welt Geschichte geworden ist. Die Welt, die uns das Wirtschaftswunder geschenkt und uns zum Exportweltmeister gemacht hat, wird nicht wiederkommen!

Für die Zeit der rasanten Paradigmenwechsel gilt es, neue Prämissen des Denkens und Handelns zu benennen, zu beschreiben und zum Konsens zu führen. Hierzu gehört auch, die Intensität der Veränderung offen und ehrlich zu kommunizieren. Das gilt nicht nur für Konzerne wie Bosch, sondern genauso für die Bundesrepublik – Zukunftsfähigkeit wird neu definiert. Vorher muss aber „die gute alte Zeit“ mit ihren überholten Standards bestattet werden. Jetzt gilt es die neuen Erfolgsfaktoren zu kreieren, um wie David gegen Goliath wettbewerbsbeeinflussende Potenz zu bekommen. Professionalität ist auch Antizipation von sich bewegenden Kräfteverhältnissen. Hier ist die kollaborative Kreativität von allen Disziplinen gefragt. Frische Ideen mit Evidenz sind das Ergebnis harter Arbeit und fallen nicht vom Himmel. Für ein Hochlohnland ohne eigene Rohstoffe wie Deutschland ist es überlebenswichtig, Innovieren als Prinzip der Gesellschaft zu internalisieren. Wer ständig und beständig nach Neuem sucht, beherrscht auch schneller Tendenzen in seinem Umfeld, die zu einem Paradigmenwechsel führen könnten. 

Der Regelbruch ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel selbst!

Schnelle Paradigmenwechsel brauchen regelbrechende Strategien – für ein Hochlohnland ohne Rohstoffe, wie es die Bundesrepublik ist, sind Innovierungsstrategien überlebenswichtig!