Wir retten systemrelevante Banken, die sich verzockt haben. Wir verbrennen millionenfach Schutzmasken, die nichts taugen. Wir subventionieren immer wieder Autos, weil wir langsamer denken als andere arbeiten. Wir nennen Schulden Sondervermögen, weil wir Angst vor der Wahrheit haben. Wir haben in Deutschland das teuerste Gesundheitssystem in Europa mit einer Effizienz, die im europäischen Mittelfeld liegt.
Von jetzt auf gleich wurde das Altenpflegeheim unserer 91jährigen Mutter geschlossen. Angeblich wurde die Angehörigen der Heimbewohner am Nachmittag des Vortages telefonisch informiert. Wir und andere wurden nicht informiert. Durch Zufall besuchten wir am Tag der Schließung meine Mutter und erfuhren erst im Heim durch eine sehr aufgeregte Angehörige, dass das Altenpflegeheim bis 16h geräumt sein muss. Wir wollten oder konnten es erst nicht glauben. Aber eine Nachfrage beim Pflegepersonal bestätigte die Situation. Mithilfe eilig herbei gerufener Geschwister räumten wir das Zimmer und um 18h wurde unsere Mutter in einem 30 km entfernten Heim untergebracht. Wer es nicht glaubt … https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_101196674/niedersachsen-pflegeheim-bewohner-in-laatzen-kurzfristig-rausgeworfen.html und https://www.youtube.com/watch?v=ogRl3MlWBPg
Der Heimbetreiber hatte seinem Pflegepersonal wohl die letzten zwei Monate kein Gehalt gezahlt mit der Folge, dass immer weniger MitarbeiterInnen zur Arbeit erschienen. Schließlich konnte der Betrieb wegen Personalmangel nicht mehr gewährleistet werden und die öffentliche Heimaufsicht musste die Schließung veranlassen.
Ein im Grunde vorhersehbarer Vorgang, der seine bittere Logik hat. Warum keiner der verantwortlich Beteiligten schon vorher die Notbremse gezogen hat, ist mir unverständlich. Zumindest in diesem Fall funktioniert das Zusammenspiel zwischen privatem Wirtschaftsunternehmen und staatlicher Kontrolle respektive Fürsorge nicht. In Anbetracht der steigenden Zahl von Menschen, die auf die Betreuung in einem Altenpflegeheim angewiesen sein werden, gibt es hier Handlungsbedarf.
Die öffentliche Hand darf sich nicht auf das Geldverteilen beschränken und glauben, alle Probleme seien damit delegiert bzw. gelöst. Wir brauchen vor allem ein „öffentliches Hirn“, das auch in den Kategorien von Moral und Anstand, Verantwortung und Verpflichtung agiert. Auch denke ich, dass es so etwas wie eine „politische Nachsorge“ geben muss, die Effizienz und Effektivität der eingesetzten Mittel kritisch evaluiert. Es braucht ein Verständnis von Public-Private-Partnership mit ethischen Grundsätzen.
Oder steht das C bei der CDU nicht mehr für „Christlich“? Und das S bei der SPD auch nicht mehr für „Sozial“? Hier braucht es dringend eine neue Definition und gesellschaftliche Vereinbarung. Sonst stehen in Zukunft noch häufiger die Alten wie Sperrmüll an der Straße und warten auf Abholung …

