Vision der Vernunft und Projekt der Progressivität

Alle haben viel zu verlieren – CDU mit CSU und die SPD. Die Union ist einen Meter mehr vom Abgrund entfernt, während die SPD einen Blick nach unten werfen durfte. Die FDP kennt das schon. Union und SPD haben gute Chancen, dem Schicksal der Liberalen zu folgen – die Koalition muss nur auseinanderbrechen. Danach führt der Weg in die Bedeutungslosigkeit. Wer bei der Union träumt, dass eine Koalition mit der AfD sie zu neuer (oder alter) Stärke zurückführt, glaubt auch an den Weihnachtsmann, den Osterhasen und an Donald Trump als den Hüter der Demokratie.

Sich gegenseitig zu beschimpfen ist sinnlos und unprofessionell. Der Kommentar „´Menschenverachtend´ und ´zynisch´ – nur ein Weg führt aus der Abwärtsspirale“ (2.5.2026, handelsblatt.com) beschreibt die Situation sehr gut. Im Übrigen gewinnt man nicht an Kompetenz und Profil, wenn man despektierliche Soundbites über die Medien verbreitet – weder persönlich noch die Partei. 

Wobei ich die Diskussion über die Profile der drei Parteien für irrelevant halte. Weil die Unterschiede immer weniger erkennbar sind und keine Partei sich in ihrem Programm der globalen „Zeitenwende“ angepasst hat. Alle drei Parteien stehen für Ideologien aus der Vergangenheit, für die die Zielgruppen immer verwaschener werden. Und selbst der gemeinsame Nenner, ihr Demokratieverständnis, scheint renovierungsbedürftig, wenn sich doch so viele Menschen nicht mehr in der Demokratie mitgenommen fühlen.

Das Ergebnis: „76 Prozent unzufrieden – Mehrheit zweifelt an Haltbarkeit der Regierung bis 2029“ (3.4.2026, welt.de). Und dabei gilt doch: Bricht diese Regierung, ist „Schicht im Schacht“! Und dann ist völlig egal, wer recht und wer unrecht hatte. Im Grunde wissen die Parteien das alles selbst und sind trotzdem rat- und einfallslos.

Dabei könnte doch ein unbeliebter über 70-jähriger Bundeskanzler völlig unbeschwert aufspielen. Er könnte Geschichte schreiben, statt schon bald abgeschrieben zu werden. Er könnte der Kanzler sein, der Deutschland aus der Multi-Krise erfolgreich herausführt und mit dem Europa der Sprung in ein souveränes Selbstverständnis gelingt. 

Wenn diese Bundesregierung nicht nur ein Verein der Karrieristen ist, sondern doch den einen oder anderen verantwortungsvollen Polit-Profi hat, dann schafft sie den Paternoster aufwärts statt abwärts!

Dafür bräuchte es eine Vision der Vernunft, ein Projekt der Progressivität als Game Changer. Mut und Innovation wären von Nöten. Dafür gibt es in Deutschland genügend (überparteiliche) kreative Individuen in Wirtschaft und Wissenschaft. Voraussetzung aber ist, dass sich das Heer der Egomanen in einem Haus der Ehrlichkeit verabredet, weil es eben nicht in das Loch der Loser fallen will.  

Eine chancenkreierende Politik kann wie ein Kontrastmittel wirken, das der Gesellschaft zeigt, wo Transformation am vordringlichsten und wirkungsvollsten ist. Wenn die Parteien sich nicht selbst abschaffen wollen, sollten sie die Kurve kriegen … 

Zukunft in Deutschland heißt, die Haufen an Problemen wegräumen, die sich in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten angehäuft haben. Wenn es nicht jetzt passiert, werden die Haufen immer mehr und die Wahrscheinlichkeit, dass wir in diese treten, immer größer …