Was haben Donald und Deutschland gemeinsam? Beide kriegen die Straße nicht frei. Trump nicht die Straße von Hormus und unsere Gesellschaft bekommt ihre PS nicht auf die Straße. Hätte Trump nicht den Iran angegriffen und wären wir Deutschen nicht so selbstgefällig, würden wir unter beiden Problemen nicht so extensiv leiden. Man könnte beide Probleme als „dumm gelaufen“ abhaken, wenn nicht das Leben so vieler Menschen bis hin zum Tod beeinflusst würde. Tatsächlich geht es aber um weltpolitische Schicksalsfragen. Die Entscheidung für einen Krieg, aber auch die Transformation unserer Wirtschaft sollten einem langen politischen bzw. gesellschaftlichen Reifeprozess unterliegen. Denn in diesem sind die Für und Wider, die Konsequenzen und Risiken gegeneinander abzuwiegen – inklusive der Handlungsalternativen. Politik „aus dem Bauch heraus“ darf es nicht geben.
Werden ungezügelte Eitelkeit und grenzenloser Egoismus zur nächsten Pandemie? Ist das intensive, in Möglichkeitsräumen sich bewegende Denken über komplexe Probleme, das intellektuelle Durchdringen abstrakter Szenarien und der gemeinsame Diskurs – auch mit Menschen anderer Meinung – zu einem Thema aus der Mode gekommen?
Anderenfalls hätten wir längst verstanden: Der Staatskapitalismus der Chinesen startet gerade sehr schnell, ernsthaft und nachhaltig durch. Der American Way of Live verirrt sich gerade völlig und polarisiert die Gesellschaft. Russlands Volkswirtschaft ist zur Kriegswirtschaft mutiert und lebt mit größenwahnsinnigen Halluzinationen. Und was macht Europa? Die deutschen „Romantiker“ mit ihrer europäischen Kulturgeschichte gehen erst mal in sich und fragen sich, was das alles mit ihnen so macht. Die Beschäftigung mit uns selbst nimmt uns komplett in Anspruch. Deutschland fühlt sich inkommodiert, sobald es um Reformen geht, die unserem Land Wohlstand und Wirtschaftskraft erhalten sollen. Jeder Vorschlag einer möglichen Änderung in unserem Staat wird sofort gekillt, indem aus allen Rohren des Lobbyismus so lange geballert wird, bis sich keiner mehr traut, sich und seine Ideen zu exponieren.
Mein Unverständnis mischt sich zunehmend mit Sarkasmus!
Vor kurzem las ich, „Wie Innovationen mit Sondergenehmigung erfolgreich werden“ (19.5.2026, handelsblatt.com) – ein Artikel über Reallabore in Baden-Württemberg. Auch wenn der Artikel positiv das Thema behandelt, steckt für mich in der Headline eine gehörige Portion (unfreiwilliger?) Zynismus. Sind wir wirklich schon so weit, dass wir in Deutschland für Innovationen Sondergenehmigungen brauchen? Vielleicht sollten wir mal nach Shenzen in China schauen, der als „Der schnellste Hightech-Standort der Welt“ (18.5.2026, handelsblatt.com) gilt. Wenn wir in Deutschland schon nicht die Schnellsten sind, sollten wir zumindest die Lernfähigsten werden.
Es braucht in der Politik einen Befreiungsschlag, der die Gesellschaft von ihrer lähmenden Erstarrung erlöst. Vamos!

