Reißt das Ruder herum! 

Traurig, aber wahr! Wohl nur die Herrschaften aus dem „alternativen“ Deutschland werden begeistert sein, während die „Vorturner“ der etablierten Parteien ausrufen: „Schatz, es ist nicht das, wonach es aussieht.“ Gemeint sind die Ergebnisse aus dem „Sonntagstrend“, einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa. Die Umfrage will wissen, wie die Zustimmungswerte für die Parteien sind, wenn heute gewählt werden würde. Die AfD liegt bei 28 Prozent, die Union bei 24 Prozent, die SPD bei 14 und die Grünen bei 12 Prozent. Die Linken liegen bei 11 Prozent, einen Punkt hinter den Grünen. Nun mag sich das bei einer tatsächlichen Bundestagswahl anders darstellen, aber es gibt derzeit nur eine Partei mit Grund zum Jubeln. Siehe „Neue Umfrage sieht AfD auf historischem Hoch“ (25.4.2026, t-online.de) Es wird Zeit, dass Schwarz-Rot das Ruder herumreißt!

Erstaunlich finde ich, dass es die Regierungsparteien trotz ihrem „Amtsbonus“ nicht schaffen, sich gegen diesen Trend zu stemmen. Was machen sie falsch? Der Tankrabatt, obwohl von allen halbwegs belichteten Menschen dieser Republik abgelehnt, wird durchgezogen. Selbst die 12-Uhr-Regel hat den Mineralölkonzernen in die Hände gespielt. Siehe „Studie: 12-Uhr-Regel steigert Profit der Konzerne“ (26.4.2026, t-online.de) Und was passiert, wenn im Juli in Deutschland die Sommerferien beginnen, der Tankrabatt endet, die Spritpreise immer noch so hoch sind? Zu befürchten ist, dass dann das Delta zwischen AfD und Union noch größer wird…

Claudia Lutschewitz hat mir in ihrem Podcast „Soziologische Perspektiven“ die Frage gestellt: „Warum müssen Politiker kreativ sein?“ In dem 45-minütigem Gespräch ging es im Grunde um Zukunft, weil die Gegenwart eine immer weniger tragbare Struktur hat. Kreativität ist nicht mehr nur fürs erholsame Wochenende, sondern kämpferischer politischer Alltag. Eine kreative Politik löst Problem ursächlich und laboriert nicht nur an den Symptomen herum. Das PR-Projekt „Land der Ideen“ ist in der harten Realität der Krisen-Kumulation angekommen und muss Beweise liefern für unsere reale Fähigkeit zur Erneuerung. 

Unsere Konzepte und Gewissheiten aus der Vergangenheit bröseln vor unseren Augen. Parallel hierzu baut sich ein immer größerer politischer Leidensdruck auf, der im Grunde nach einem Redesign des Gesellschaftsmodells ruft. Längst deutlich geworden ist, dass die Wirtschaft auf der Suche nach einem neuen tragfähigen Geschäftsmodell ist. Sichtbar wird das, wenn man sich die teils dramatische Entwicklung einzelner Konzerne anschaut. Siehe „Bosch muss sich wandeln – sogar noch schneller als bisher“ (25.4.2026, faz.net). Hier braucht es Gestaltungskraft und -willen. Die Kreativität für Transformationsprogramme ist gefragt. Wer Bosch durch Deutschland und den Aufsichtsratsvorsitzenden durch den Kanzler ersetzt, erahnt die volkswirtschaftlichen Dimensionen einer solchen Redesigns. 

Kreative Politik mit zukunftsfähiger Wirkung ist Politik mit historischer Bedeutung!

Wenn Deutschland nicht zur Satire-Show mit einer Politik-Parodie verkommen will, muss es jetzt das Ruder herumreißen!