Vertrauen säen, Verantwortung ernten

Die meisten Menschen, die ich in Unternehmen kennengelernt habe, waren sehr an der Zukunft ihrer Organisation interessiert. Oft hatten sie durchaus eigene Ideen, wurden aber in der Regel von den oberen Etagen nicht einbezogen. Damit liegt erhebliches Potenzial brach. Das gilt nicht nur in Unternehmen, sondern auch gesamtgesellschaftlich.Nachzulesen in „Aus der Geschichte lernen? Ja, das geht!“ (3.6.2026, sueddeutsche.de). In dem Artikel werden Beispiele vorgestellt, wie aus einzelnen Strömungen bzw. Protesten große Meilensteine des gesellschaftlichen Fortschritts wurden. So heißt es: „Da waren es keine Politiker, Gelehrte, geschweige denn CEOs, die etwas anschoben, sondern Leute, die als machtlos galten.“ Jeder kann Probleme in seiner Umwelt bemerken und Veränderungen fordern oder auch vorleben. Alle können etwas bewegen, wenn sie selbst wollen und wenn man sie auch lässt.

Ja, Zukunft und erst recht ihre Gestaltung geht alle an! Wenn man sich auf diese Prämisse einlässt, merkt man schnell, dass Zukunft kein Job für Solo-Tänzer und Alleinunterhalter ist. Das Schwungrad für solcherart Gestaltungsprozesse wird von vielen Personen und diffizilen Prozessen, großem Vertrauen und tiefer Verantwortung angetrieben. 

Andererseits gibt es Menschen, die bei der Gestaltung der Zukunft eine solche professionelle Komplexität vorschieben, dass die Aufgabe wie Raketenwissenschaft klingt. Dabei ist Zukunftsgestaltung zuallererst Arbeit, die vom normalen Menschenverstand und ein bisschen Muskelkraft geleistet werden kann. Man muss zuhören können und mitdenken, Kommunikation als gemeinsamen Verständigungsprozess verstehen und das vermeintlich Unmögliche als vielleicht doch möglich sehen. Sich selbst und anderen vertrauen und selbst Verantwortung übernehmen und anderen übergeben. Der Mensch kann tatsächlich über sich selbst hinauswachsen, wenn andere dabei unterstützen. Zukunftsgestaltung ist eine Frage der Selbstermächtigung von Menschen in Organisationen und kein Fantasy-Film.

Das liegt nach meiner Erfahrung schon allein daran, dass ein Drittel der Gestaltung sogenannte Constraints sind, die andere vorgeben und sich außerhalb des eigenen Verfügungsbereiches befinden – so die Zölle von Donald Trump. Ein anderes Drittel im Ökosystem ist – positiv wie negativ – schon angelegt. In Unternehmen ist es die Personalauswahl, die das kreative Potenzial im Unternehmen determiniert und beispielsweise das Patentwesen, welches die Innovationsvorsprünge definiert. Und das letzte Drittel ist disponibel und frei gestaltbar. Das fängt beim Produktprogramm an und hört nicht bei der Produktionsplanung auf. 

Diese Drittelung ist nicht empirisch belegt, sondern ist ein Strukturierungstool, das Ängste nehmen und Mut schaffen kann. Es lokalisiert neue Bedeutungsflächen und identifiziert bis dato unbekannte Möglichkeitsräume. Und es hilft, das eigene Koordinatensystem so flexibel wie möglich zu halten – handlungsfähig auch in Zukunft bleiben!

Wer Vertrauen schenkt, wird mit Verantwortung belohnt. Der Text ist ein Plädoyer für verstärkte Integration der MitarbeiterInnen in den Prozess der Zukunftsgestaltung.