Design als komplexe Projektion von Zukunft

Was haben Fußball und Design gemeinsam? Beides braucht außergewöhnliche Profis, und es gewinnt das Team mit der besseren Spielidee. Fehlt eines davon, landet man im Mittelfeld. In Wettbewerben wird man nicht Erster, wenn man den Mund zu voll nimmt und seine Gegner unterschätzt. Dass wir im Fußball nicht mehr zur Weltspitze gehören, wissen wir. Aber geben wir im Design noch international den Ton an? Wenn man Design mit Innovation gleichsetzt und sich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft anschaut, sind Zweifel angebracht.

In der Tiefe meines Herzens glaube ich, dass die Geschichte des Designs auserzählt ist. Mir scheint, wir drehen uns im Kreis. Warum ich dennoch hier schreibe, liegt am kurzen Post von Hartmut Esslinger. Er erwähnt die Erwärmung der Erde und erinnert an die Bildung von DesignerInnen.

Auch wenn die Situation dagegenspricht, bin ich immer noch überzeugt, dass das Potenzial der DesignerInnen weit über banale Alltagsgegenstände hinausgeht. Und selbst wenn aktuell alle Anzeichen dagegensprechen, glaube ich, dass die Welt zu retten ist. Ich meine, Ideen für „neue“ Stühle können doch nicht das Nonplusultra sein. „Fünf Ideen für einen Stuhl – geliefert von ChatGPT“ (20.3.2026, faz.net). 

Unsere Nationalmannschaft wird sich neu erfinden müssen. Design steht vor der gleichen Herausforderung. Es braucht eine „Spielidee“, die dem Design wieder Substanz und Relevanz gibt – siehe Esslingers Post. Es sei denn, die Domäne der DesignerInnen ist glücklich und zufrieden, wenn sie Türstopper gestaltet – siehe Artikel „Stop and Go“ (16.7.2026, faz.net).

Ich frage mich: Was braucht ein Design, das belastbar den Ansprüchen einer globalen Problemsituation gerecht werden kann? Es braucht ein neues Selbstverständnis und ein starkes Selbstbewusstsein! Es braucht die Ambition einer eigenen Zukunftspolitik! In der Bildung von PolitikerInnen ist man schon einen Schritt weiter. Die jüngst eröffnete Adenauer School of Government ASG sieht sich künftig als „Ein experimentelles Reallabor für gutes Regieren“ (17.7.2016, faz.net). Die Kölner ASG will eine Strategieschule sein, „damit wir die Neuordnung der Welt, die sich gerade vollzieht, selbstbewusst mitgestalten können“ – so Bundeskanzler Merz zur Eröffnung. 

Überträgt man diesen Anspruch aufs Design, eröffnen sich interessante Perspektiven. Hier ein paar provozierende Thesen: Design als Nucleus eines disparaten Systems; Design als die Technik einer innovativen Transformation; Design als die Ästhetik einer globalen Ethik; Design als die Kreativität einer interdisziplinären Kollaboration; Design als die Profession einer zukunftsgewandten Progression. 

Design ist künftig auch eine komplexe Projektion von Zukunft, aus der sich Strategien der Entwicklung und Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse ableiten lassen. Wer diesen Anspruch einer größer dimensionierten Kompetenz im Design teilt, braucht neue Strukturen in Bildung, Fort- und Weiterbildung der DesignerInnen.

ist die Geschichte des Design auserwählt? Ich denke ja. Es sei denn, dass sich das Design neuen Horizonten öffnet …