Ressource Zukunft – macht was draus!

Für den Dealmaker ist Zukunft die Zeit danach. Für den Philanthropen ist Zukunft eine neue Qualität im Verhältnis zur Gegenwart. Der eine optimiert nur seine persönlichen Vorteile und der andere denkt in Gemeinwohlkategorien. Letzterer will eine Zukunft gestalten, die allen Menschen zugutekommt – nicht nur selbstverliebten Autokraten oder einer Clique feudaler Tech-Barone. Es geht um eine Zukunft, die selbstgestaltet, selbstbestimmt und von uns selbst erlebt wird. 

Der Zukunftslobbyist Klaus Kofler ist ein vorausdenkender Menschenfreund, für den Zukunft so etwas wie ein Menschenrecht ist, das aber auch immer wieder neu verteidigt werden muss. Verteidigt gegen die eigene Selbstzufriedenheit und gegen eine Gegenwart, die uns vorgaukelt, sie bleibt die Zukunft auch noch Morgen. Dabei kann uns die aktiv gestaltete Zukunft viel mehr bieten als nur Wohlstand und Wachstum. Wohl deshalb hat Klaus Kofler sein Buch auch „Ressource Zukunft“ genannt. Eröffnet sie doch Alternativen zu unserer auf Verschleiß fahrenden Gesellschaft. Der Untertitel „Die Kunst, eine Welt von morgen zu gestalten“ zeigt den intellektuellen Anspruch des Autors. Es geht nicht um Rezepte von Unternehmensberatern. Zukunft will Menschen, die dem Leben und der Welt mit interessierter Aufmerksamkeit zugewandt sind.

Klaus Kofler beginnt sein essayistisches Werk mit einer grundsätzlichen Gesellschaftskritik. Er konstatiert „Das Ende des weiter so“ und enttarnt die materialistische Vision des „Höher, weiter, schneller“ als das Credo der Selbstbetrüger. In den Augen des Autors ist die Zukunft für die Gesellschaft ein blinder Fleck, hält sie doch die Gegenwart für den erbberechtigten Thronfolger für die Zeit danach. Im Übrigen scheint unserer Überflussgesellschaft der Sinn des Seins abhanden gekommen zu sein, weil ihr Kompass sich allein von kommerziellen Kriterien leiten lässt. Der zweite Teil hat „Das Material Zukunft“ auf dem Tisch und zeigt uns, was sich daraus machen lässt. Hier wird „Das Prinzip des Regenerativen“ beschrieben und warum Zukunft ein lebendiger Organismus ist. Diese spannende und zum Nachdenken anregende These ist die inhaltliche Basis für den dritten Teil mit der Überschrift „Regeneratives Zukunftsdesign“. An dieser Stelle hätte ich mir als Designer eine explizite Einführung in Koflers Designverständnis gewünscht, das einen Anstoß für einen zukunftsorientierten Diskurs im Design liefern könnte. Für mich wird das in dem Kapitel „Das Ende der Zuschauerrolle“ deutlich, wo Kofler die notwendige Metamorphose vom Rezipienten zum Künstler ausführt. Der vierte Teil des Buches lautet „Der Aufbruch“. Hier wird anschaulich ausgeführt, was möglich ist, wenn die Gesellschaft Zukunft als sozialen Prozess versteht. Nicht die Addition der Ichs, sondern die exponentielle Kraft des Wir bringt der Gegenwart den Sinn ihrer Zukunft wieder näher.

Wer offen ist für eine neue Qualität von Zukunft, wird in dem Buch Inspiration und Ermutigung finden.