Kritik macht klüger! (40 Essays Gemecker und Gequengel)

Als Babyboomer habe ich viele Entwicklungsphasen der Bundesrepublik Deutschland miterleben dürfen. Auch wenn es zu jeder Zeit Krisen, Konflikte und Katastrophen gab, hatte ich stets den Eindruck, dass unser „Wirtschaftswunder“ zwar immer langsamer wurde, aber dennoch kontinuierlich weiterging. Allerdings verlor sich allmählich, spätestens mit den Nullerjahren, mein Optimismus. Der wachsende Wohlstand erschien mir immer weniger selbstverständlich. Heute denke ich, dass die Geschichte dieses Wirtschaftswunders auserzählt ist. 

Um hier wieder zu einem zukunftsfähigen Gesellschafts- und Geschäftsmodell zu kommen, braucht es eine neue Synchronisierung von Politik und Wirtschaft. Viel zu häufig investieren wir in Deutschland zu viel Geld und Zeit in alte Produkte für alte Männer in alten Märkten! 

Ein Beispiel: Gerade hat die Automarke mit dem Stern ein neues Luxus-Coupé vorgestellt und erwartet vermutlich für diese Leistung angemessenen Applaus. Ich gehöre nicht zu den Gratulanten, weil ich der tiefen Überzeugung bin, dass Kompetenz und Kapazität, die in diesem Auto stecken, viel sinnvoller an anderer Stelle eingesetzt würden. Dieses Auto löst keines unserer Probleme, sondern erhöht nur den Druck auf den Erneuerungsbedarf. Wir brauchen dringend neue Produkte als Problemlösungen und nicht als Aphrodisiakum für ein Lebensgefühl, das völlig aus der Zeit gefallen ist! Es ist notwendig, unser Verständnis von Kreativität, Innovation und Kommunikation im wirtschaftlich-technischen Kontext kritisch zu beleuchten. Hierfür braucht es dringend eine neue ordnungs- und industriepolitische Vision.

Vielleicht bin ich nicht der Einzige, dessen Ungeduld immer größer wird und der inzwischen stinkesauer ist, dass es eher zurück als nach vorne geht. Daher habe ich mich für den etwas drastischen Titel „Von der Inauguration der Erratik zur Inflation des Entsetzens“ entschieden, als ich eine Headline für meine 40 Essays zum Zustand unserer Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik suchte. Die berühmten „Meckerer“ der guten alten Muppets-Show standen Pate, als ich meine Kritik in das Rubrum „Gemecker und Gequengel von der Galerie“ packte. 

Die Essays entstanden seit der zweiten Inauguration von Donald Trump und haben die Probleme der deutschen Politik im Fokus. Meine persönliche Überzeugung ist weder links, geschweige denn rechts – sondern geradeaus. Und zwar in eine Zukunft, die besser ist als eine, die sich selbst überlassen wird. Wegducken und abnicken ist keine Option mehr! Führt uns doch das Absurde dieser Welt zu einer Inflation des Entsetzens. Gleichzeitig zwingt es uns in der Zivilgesellschaft zur reflektierten Vorsicht gegenüber populistischer Meinungsmache und motiviert zum Beziehen von eigenen verantwortungsvollen Positionen. Ich hoffe, dass diese Gratwanderung in meinen Texten gelungen ist.

Viel Spaß beim Lesen. Wenn Sie anderer Meinung sind, lassen Sie es mich wissen. Kritik macht klüger!