Die eine Oma erzählt von den Fehlern der Vergangenheit („Ex-Kanzlerin Merkel räumt Fehler bei Klimapolitik ein – War nicht genug“, Berliner Morgenpost 4.3.2016) und die andere Oma erzählt den Kindern von der Zukunft. Es geht hier um das Vorlesebuch für Kinder ab sechs Jahren mit dem Titel „Oma, erzähl mir von der Zukunft – Städte für Menschen“. Erschienen ist es 2025 im Eigenverlag Leben im Einklang mit der Natur e.V. und Träger dieser Bewegung sind die „Omas for Future“. Geschrieben wurde dieses Buch von ehrenamtlich Engagierten im Alter zwischen sieben und 72 Jahren. Chapeau!
Noch bevor ich das Buch las, hatte es sofort meine Sympathie. Omas erzählen der Enkelgeneration einerseits, was Gesellschaften falsch gemacht haben, und andererseits, dass man (gemeint sind die Enkel) es tatsächlich besser machen kann. Ich begeistere mich schnell, wenn ich merke, dass es um Lernbereitschaft und um Reflexionsfähigkeit geht. Mit dem Lesen des Buches fand ich mein positives Vorurteil bestätigt.
Das Buch handelt von einer Reise, die die drei Protagonisten begehen. Eine Reise in unsere Zukunft, die andernorts schon Gegenwart geworden ist. Es ist eine Reise zu den Heldentaten des Vorausdenkens und des Vormachens, aber auch zu den Fehlentwicklungen, die Helden hervorbringen. Wenn der Parkplatz für ein Auto größer als die Fläche eines Kinderzimmers stimmen die Verhältnisse nicht mehr. Wenn sich eine Stadt im Sommer so aufheizt, dass sie bald nicht mehr bewohnbar ist, ist Alarm angesagt.
Helden können einzelne Menschen sein, die gegen eine große Mehrheit etwas durchsetzen. Oder aber auch ganze Gemeinschaften, die sich gegen frühere Fehlentscheidungen von Politikern stellen und Veränderungen herbeiführen. Die Protagonisten des Buchs sind Oma Marlies, Enkelin Lilly und der grau-blässliche Regenbogenwurm Flori. Lilly trifft auf Flori, der unter den in der Stadt schlechten Lebensbedingungen sehr leidet und Lillys Mitgefühl weckt. Diese geht dann zu ihrer Oma und erzählt ihr von Floris bösem Schicksal. Selbstredend, dass die Oma sofort motiviert ist und mit Lilly in die beispielhaften Städte reist, die ihren Würmern (und auch den Menschen!) eine lebenswerte Umwelt geschaffen haben – mit den passenden „Superkräften“ der Zukunft. Und damit der Regenbogenwurm wieder schön bunt wird, braucht er Gelb, Orange, Grün, Rot, Blau und Violett. Bei den Farben geht es nicht um ästhetische Kategorien, sondern um „Zukunftszutaten“ – es braucht Kreativität und Innovationen, Mut und Entschlossenheit, Natur und Gemeinschaft, Liebe und Zuwendung, Träume und Vision sowie Weisheit und einen Plan.
Die „Heldenreise“ führt sie nach Kopenhagen, Gent, Utrecht, Paris und Tübingen. Alles Beispiele, wie man urbane Qualitäten wieder in die Stadt holt und sie dadurch humanisiert. Also – los geht´s …
Sehr schön fand ich Lillys Schlusssatz im Buch: „Wenn meine Oma sich um die Zukunft von morgen kümmert, … dann stehe ich ein für die Welt von übermorgen!“

