Was hat mich denn diesmal getriggert und meine grauen Zellen aktiviert?
In München ist gerade wieder Oktoberfest. Da kann man die schlechte Laune, die im ganzen Land herrscht, so schön ersaufen und anschließend kann man sich gründlich auskotzen. Hauptsache, die Stimmung stimmt! Was mich auf die Idee brachte, einmal über das Stichwort „Stimmung“ zu sinnieren. Denn die -so scheint es – richtet sich in Deutschland gerade in der dunkelsten Ecke des Kellers ein.
Die Stimmung im Land kann man gerade ganz gut an den Ergebnissen der Allensbach-Umfrage ablesen: „Ein verunsichertes Land“ (24.9.2026, faz.net.) Die Überschrift verwundert mich nicht – angesichts des Ausgangs der Wahlen in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Die „berühmte“ Mitte merkt auf einmal, dass sie Gefahr läuft, ihre Zwiebelform zu verlieren und die Wespentaille einer Sanduhr zu bekommen. Klar, jetzt ist Fracksausen bei den Wählern der ehemaligen Volksparteien angesagt! Wer also weder den radikal-rechten noch den radikal-linken Kräften die Republik überlassen will, muss aus dem breitgetretenen Quark der Selbstzufriedenheit kommen und für Demokratie werben. Und vielleicht hat die Demokratie doch sehr viel mehr Freunde, als es aktuell scheint?! Immerhin (siehe Allensbach-Umfrage) halten zwei Drittel der Bevölkerung die Demokratie für die beste Staatsform – darauf einen dreifachen Tusch! Angeblich soll Konrad Adenauer einmal gesagt haben: „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos!“
Wenn jetzt schon die eine oder andere Stimmungskanone meint, Hape Kerkeling könne Bundespräsident, dann dauert es nicht lange und die Rufe nach Jürgen Klopp als neuer Bundeskanzler werden lauter. Na ja, immerhin kann er motivieren und kommunizieren. Wäre ja schon ein Fortschritt … Klopps Definition von Erfolg lautet: „Erfolg ist Leistung in Relation zur Erwartungshaltung“. Nachzulesen in „Die unberechenbare Variable in Klopps Formel“ (24.9.2026, faz.net) Ich könnte mir vorstellen, dass wir in Deutschland ein Problem mit dem Delta zwischen Leistung und Erwartungshaltung haben. Muss das erste rauf und das zweite runter?
Als Stimmungsaufheller kann ich den Artikel „Lass mal richtig geil abschmieren“ (18.9.2026, zeit.de) empfehlen. Der, anders als sein Titel es vermuten lässt, viele Beispiele bringt, die Anlass für gute Laune in dieser Republik bieten. Und der in dem Ausspruch gipfelt: „Glaubt mir: Ihr würdet dieses Land vermissen.“ Ja, dem Plädoyer gegen Schwarzmalerei kann ich mich widerspruchslos anschließen.
Als Outsidetheboxthinker (klingt besser als Spinner) und Designer (Gegenteil von Spinner) denke ich aber, dass unser Land noch Luft nach oben hat. Unstrittig ist auch, dass sich die Welt ständig ändert und wir einen großen Bedarf an Redesign und Innovation haben. Zu fordern ist: „Wir lernen, Spaß unter Druck zu haben.“ (Klopp), denn Zeit ist die knappste Ressource. Es gilt – auch für den Bundeskanzler Merz – ab sofort: Mundwinkel steil nach oben!

